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Von Schildgen ins Weiße Haus Er fotografierte die Großen der Welt, nicht nur als persönlicher Fotograf der Kennedys: Jacques Lowe († 2001) war einer der besten Fotografen seiner Zeit. In seiner Kindheit, als er noch Jascha Lülsdorf hieß, war er jedoch ein Verfolgter, der sich oft in Bergisch Gladbach-Schildgen vor den Nazis verstecken musste.

Immer ganz nah dran: Jacques Lowe fotografierte JFK vor und während seiner Amtszeit als Präsident der USA privat und beruflich, wie hier bei einer Besprechung im Oval Office. Bild: Jacques Lowe

18.06.2021
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Immer, wenn es in seiner Heimatstadt Köln brenzlig wurde, flüchtete Jascha Lülsdorf nach Schildgen. Er galt als Jude, wurde 1930 als Sohn einer russisch-stämmigen Jüdin und eines deutschen Oberkellners in der Domstadt geboren. Seine gesamte Kindheit wurde von der Furcht vor den Nazis und später durch den Krieg bestimmt.

Freunde seines Vaters, die Familie Quirl aus Schildgen, betrieben in ihrem kleinen Ort das Gasthaus „Zur Post“. Dort war der Rückzugsort für Jascha und seine Mutter Raja, wenn es in Köln einfach zu gefährlich wurde. Dann versteckten sich die beiden im Keller unter dem Festsaal des Landgasthauses. Oft nur für Tage, manchmal für Wochen. Jascha und Fritz, der Sohn der Quirls, wurden enge Freunde. An guten Tagen machten die Jungs Schildgen und Umgebung „unsicher“, hatten unbeschwerte Stunden als ganz normale Kinder.

Durch die Quirls aus Schildgen gelang es den Lülsdorfs, den Krieg unbeschadet zu überstehen. Jascha konnte sich in Köln wieder frei bewegen und ging dort beim berühmten Nachkriegsfotografen Walter Dick in die Lehre. Dann scheiterte die Ehe der Lülsdorfs. 1949 zog es Raja ins ferne Amerika, ihr 19-jähriger Sohn ging mit. Der Immigration Officer in New York befand, dass niemand den Namen „Lülsdorf“ aussprechen könne. „Lowe“ klinge doch irgendwie gleich. So wurde aus dem jungen Kölner Fotografen Jacques Lowe.
  

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New York fasziniert und inspiriert Jacques. Sein Talent verhilft ihm nicht nur zu einer weiteren Ausbildung beim bekannten New Yorker Portraitfotografen Arnold Newman, sondern lässt ihn außerdem 1951 einen Fotowettbewerb im renommierten LIFE-Magazin gewinnen. Das verhilft ihm wiederum zu zahlreichen journalistischen Jobs für viele andere große Magazine und Zeitungen.


„Fotografieren Sie doch mal John F., meinen anderen Sohn“, sagte Kennedy


1958 lernt er durch seine Arbeit Robert F. („Bobby“) Kennedy kennen, die beiden werden gute Freunde. Bobbys Vater liebt Jacques Fotos und bittet ihn, doch auch einmal seinen anderen Sohn, John F., zu porträtieren. So wird Jacques Lowe, der sich 13 Jahre zuvor noch in einem Schildgener Keller vor den Nazis verbarg, zum ständigen Wahlkampf-Fotografen von JFK, reist mit ihm durch Amerika. Die beiden verstehen sich so gut, sodass Kennedy ihm nach seinem Sieg den Job als offizieller Fotograf des Weißen Hauses anbietet.

Doch Lowe winkt ab. Dennoch bleibt er der Haus- und Hof-Fotograf des mächtigsten Mannes der Welt. Er porträtiert JFK bei der Arbeit, verbringt Nächte mit ihm im Oval Office, ist bei Empfängen und anderen Anlässen immer an seiner Seite. Lowe gelingen intimste Einblicke in die First Family, politisch wie privat. Die Arbeiten aus diesen Jahren hat er in zahlreichen Büchern und Ausstellungen veröffentlicht.

Nach dem tödlichen Attentat auf JFK widmet sich der tief getroffene Lowe vermehrt der Werbefotografie von seinem Studio in New York aus. Als 1968 sein Freund Bobby Kennedy ebenfalls durch ein Attentat stirbt, hängt er die Kamera an den Nagel. „Ich konnte einfach nicht mehr mit diesen Tragödien leben und musste raus“, erinnert Lowe sich später. Er zieht nach Frankreich und hat dort 18 lange Jahre fast nichts mit der Fotografie am Hut. Mitte der 1980er packt es ihn erneut, er kehrt zum Big Apple zurück, nimmt seine Arbeit als einer der besten Fotografen seiner Zeit wieder auf. In dieser Zeit reist er unter anderem mit Papst Johannes Paul II.

Jacques Lowe starb, weltberühmt, 2001 in New York. Er war dreimal verheiratet und hatte drei Kinder. In den Schildgener Keller unter dem Festsaal kehrte er nie wieder zurück.
  

Ausstellung und Vortrag zum Thema in Bergisch Gladbach

Die Bergisch Gladbacher Achim Rieks und Ulli Poggel haben die Geschichte von Jacques Lowe aufgearbeitet und eine Ausstellung mit vielen seiner Werke auf die Beine gestellt. Am 3. Juli hält Ulli Poggel im Bergisch Gladbacher Begegnungscafé „Himmel un Ääd“ einen Vortrag über das Leben Lowes. Dieser wird flankiert von einer mehrwöchigen Ausstellung vieler Fotografien Lowes am selben Ort. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung erforderlich. Alle Infos zu Vortrag und Ausstellung unter: himmel-un-aeaed.de