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„Ich bin so glücklich wie noch nie“: Der Bergische Jung über Depressionen und Karneval

Ob auf der Kanzel oder der Bühne: Willibert Pauels Berufung ist das Wort. Foto: Michael Schopps

Der Bergische Jung hat sein Lachen zurück. Willibert Pauels hat seine Depression besiegt, steht wieder auf der Kanzel und den Karnevalsbühnen. EXPRESS erklärt er, warum die Krankheit auch viel Gutes hatte und was den Diakon aus Wipperfürth mit Howard Carpendale verbindet.

Im Februar 2013 ging er mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit und erklärte, dass er seit Jahren unter Depressionen leide. Eine Therapie half ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Nach einer selbst verordneten Zwangspause zog es ihn zurück in die Sitzungssäle: „Ich bin der Howard Carpendale des Karnevals – hab eigentlich längst aufgehört und doch stehe ich immer noch auf der Bühne“, erzählt der „Diaclown“. „Mein Arzt hat mir damals geraten: ‚Gehen Sie aus dem Hardcore-Karneval raus, aber nicht ganz von der Bühne.‘ Das Auftreten ist mein Talent, und das darf man nicht verkümmern lassen.“

Hat den Spaß am Karneval wiedergefunden und ist mit sich im Reinen. Foto: Michael Schopps
Hat den Spaß am Karneval wiedergefunden und ist mit sich im Reinen. Foto: Michael Schopps
Willibert Pauels wuchs als drittes von vier Kindern in Wipperfürth auf. Nach dem Abitur 1973 studierte er Katholische Theologie in Bonn und Münster. 1993 wurde er zum Diakon geweiht. Bereits 1975 stand er erstmals auf einer Karnevalsbühne in seiner Heimatstadt.

Heute tritt er dort auf, wo „es schön ist“ und das Publikum ihm zuhört. „Pfarrsitzungen sind eigentlich immer gut. Früher hatte ich 250 Auftritte in der Session, jetzt ist es vielleicht ein Zehntel. So ein Auftritt ist heute für mich wie eine Kur.“ Statt eines Fahrers sitzt er heute selbst am Steuer und nimmt sich mehr Zeit für die einzelnen Termine. „Es ist immer eine Frage der Menge. Was mich damals krank gemacht hat, macht mich heute gesund.“ Er freue sich, wenn die Leute ihn sehen wollen. Angst, dass er nach und nach wieder zu viele Auftritte wahrnimmt, hat er jedoch nicht. Pauels hat gelernt mit seiner Krankheit zu leben und er weiß, dass er sich nicht vom Erfolg verleiten lassen darf.

Es ist immer eine Frage der Menge. Was mich früher krank gemacht hat, macht mich heute gesund.

Er macht dabei keinen Unterschied zwischen seinem Amt als Diakon und seiner Rolle als Bergischer Jung. „Für mich ist es dasselbe, es ist meine Berufung und eigentlich steckt in jeder Rede von mir eine versteckte Predigt.“ Er sieht eine große Verbindung zwischen Kirche und Karneval: „Humor und Religion können uns frei machen, wenn sie gesund sind. Und was kann uns schon passieren? Wenn da ein Gott ist, wird alles gut.“

Diese Zuversicht hat er auch seiner Depression zu verdanken. Denn gerade in der dunkelsten Stunde zeigte sich, wer zu ihm steht. „Ich war selbst überrascht über die Zuneigung damals. An erster Stelle muss ich da Horst (Horst Müller von der Agentur alaaaf.de) nennen, der mich direkt angerufen hat und gesagt hat ‚Willibert, wir holen dich aus dem Karnevalsstress. Nimm dir alle Zeit der Welt.‘“ Eine andere Geste überraschte ihn ebenfalls: „Die Bläck Fööss haben mir eine Karte in die Klinik geschickt und mir alles Gute gewünscht. Die Bläck Fööss! Das ist ja fast so, als wenn der Papst einem einfachen Messdiener schreibt.“

Dank dieses Zuspruchs ging er gestärkt aus dieser Phase hervor: „Mein Zustand damals ist mit dem der Kirche heute zu vergleichen. Sie muss sich reformieren, mutig sein und ganz neue Wege gehen.“ Pauels ist neue Wege gegangen, und für ihn hat es sichgelohnt: „Ich bin so glücklich wie noch nie in meinem Leben.“

Optik Wolf

Willibert Pauels live in Siegburg

Wer den Kabarettisten Willibert Pauels live erleben möchte, hat am 23. März im Siegburger Stadtmuseum die Möglichkeit. Sein Programm heißt „Es dat net herrlich?“ Karten gibt es für 27,60 Euro auf www.bonnticket.de.
Gebr. Gieraths GmbH
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