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Lebensgroß und lebensecht: Jana Merkens neben ihrem jüngsten Werk. Bild: zVg

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Bornheimerin erinnert an Floyd Als würde er jeden Moment „Hi!“ sagen, steht George Floyd (46,†) neben der Künstlerin Jana Merkens.

10.06.2021

Die Bornheimerin hat als Teil eines Kunstprojekts eine lebensechte Skulptur Floyds zum Jahrestag seines Todes geschaffen. Sie erhielt viel Lob für die Aktion, wurde jedoch auch angefeindet.

Als Jana Merkens (31) Ende Mai ihre Floyd-Skulptur öffentlich vorstellte, war es genau ein Jahr her, dass der US-Amerikaner in Minneapolis durch die brutale Verhaftung des weißen Polizisten Derek Chauvin starb. Bekanntlich war sein Tod der Auslöser von massiven Protesten der „Black Lives Matter“-Bewegung. Floyds letzte Worte „I can’t breathe“ („Ich kann nicht atmen“) waren bereits durch einen ähnlichen Fall im Jahr 2014 zum Schlachtruf der Protestler geworden.

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„Racism stole my last breath“ („Rassismus stahl mir den letzten Atemzug“) prangt denn auch auf dem Shirt der Floyd-Figur aus Bornheim. Sie ist bei weitem nicht das erste Werk dieser Art, das Jana Merkens geschaffen hat. Die Künstlerin, die auf der Alanus-Schule in Alfter studierte und heute doziert, ist seit zehn Jahren unter anderen für ihre „hyperrealistischen“ Figuren bekannt. Aus Silikon gefertigt, sind diese noch lebensechter als „gängige“ Wachsfiguren. Zahlreiche Details wie Poren, Male oder Haare machen sie fast lebendig.


„Ich wurde in den sozialen Netzwerken abgrundtief beleidigt.“


„Die George Floyd-Figur ist Teil eines großen Projekts, an dem ich gerade arbeite“, erzählt die Künstlerin. Unter dem Titel „WIR“ sollen zehn ihrer Figuren darin Menschen aus der Gesellschaft zeigen, die unter Ausgrenzung oder Vorurteilen leiden. So wird der Floyd aus Bornheim später in einer Reihe neben einem Mädchen mit Down-Syndrom, einem homosexuellen Paar und anderen Figuren stehen.

Viele Wochen benötigt Jana Merkens für eine ihrer Figuren. „Mit am aufwendigsten ist es, jedes einzelne Haar einzupflanzen“, sagt sie. Im Fall von Floyd stammen diese im Übrigen aus einer ganz besonderen Quelle. Merkens hatte ihr Vorhaben, eine lebensechte Skulptur des getöteten Amerikaners zu schaffen, in verschiedenen Facebook-Gruppen vorgestellt. Daraufhin meldete sich jemand aus Fayetteville (North Carolina), der Geburtsstadt von Floyd. „Er war gut mit ihm bekannt gewesen und hatte auch einige Protestzüge organisiert“, so Merkens. „Also hat er mir angeboten, sein eigenes Haar für meine Figur zu stiften.“

Neben all dem Lob, das sie für ihre jüngste Arbeit erhielt, wurde Merkens in den sozialen Netzwerken wüst dafür beschimpft. Ewiggestrige aus der rechten Ecke unterstellten ihr, einen Kriminellen zu verherrlichen: „Ich wurde abgrundtief persönlich beleidigt“. Eine User in etwa fragte: „Was machen Sie als nächstes? Die Figur eines Kinderschänders?!“ Über solche Reaktionen kann die Künstlerin nur den Kopf schütteln: „Es stimmt, dass Floyd ein verurteilter Krimineller war. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass er seine Strafe im Gefängnis abgesessen hat, seit 2014 wieder in die Gesellschaft integriert sowie fünffacher Vater und zweifacher Großvater war.“