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Die größten Kölner Euro-Nächte Zwischen Traum und Albtraum


5.08.2022

Zurück auf der internationalen Bühne. Nach Union Berlin ist der 1. FC Köln der zweite deutsche Klub, der an der noch jungen Conference League teilnimmt. Damit fügen die Geißböcke ihrer Europapokal-Historie ein ganz neues Kapitel hinzu. EXPRESS blickt auf die legendärsten Geschichten der Vergangenheit.

5. September 1962: „Am besten Flugzeug stürzt ab“

Sein erstes Spiel im Europapokal der Landesmeister (heute Champions League) hatte sich der 1. FC Köln gewiss anders vorgestellt. Am 5. September 1962 trat die Meister-Mannschaft um Kapitän Hans Schäfer beim schottischen Vertreter FC Dundee an und kassierte die bis dato höchste Pflichtspielniederlage der Vereinsgeschichte – 1:8! Trainer „Tschick“ Czajkowski war zutiefst deprimiert und erklärte noch am Flughafen von Edinburgh einem Journalisten: „Am besten Flugzeug stürzt ab.“

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24. März 1965: Der Münzwurf von Rotterdam

300 Minuten Spielzeit, aber kein Sieger. 1965 lieferte sich der 1. FC Köln im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister drei Duelle auf Augenhöhe mit dem FC Liverpool. Da weder im Hinspiel in Müngersdorf noch im Rückspiel an der Anfield Road ein Tor gefallen war, sah das Reglement ein Entscheidungsspiel an einem neutralen Ort vor. So standen sich die damals vielleicht besten Vereinsmannschaften Europas am 24. März 1965 in Rotterdam gegenüber.

Auf ein 2:2 nach regulärer Spielzeit und Verlängerung folgte der legendäre „Münzwurf von Rotterdam“. Dabei blieb die Scheibe zunächst hochkant im Matsch stecken, neigte sich aber zur Kölner Seite. Der Schiri wiederholte den Wurf, dieses Mal mit einem eindeutigen Ergebnis zugunsten der Engländer.

Zuvor hatten die Kölner mit „zehneinviertel Mann“ gespielt, so Wolfgang Weber. Denn der „Bulle“ hatte sich in der 20. Minute das Wadenbein gebrochen. Auswechseln war nicht erlaubt – daher blieb Weber auf dem Platz.

25. April 1979: Am Thron vorbeigeschrammt

So nah wie 1979 war der 1. FC Köln dem europäischen Fußballthron niemals zuvor und auch nie wieder danach. Bei ihrer letzten Teilnahme am Pokal der Landesmeister lieferten sich die Kölner im Halbfinale ein berauschendes Duell mit Nottingham Forest – vor allem im Hinspiel (3:3). Nach dem torreichen Unentschieden hätte sogar ein 0:0 für den Einzug ins Endspiel gereicht. Und in Köln war man siegessicher. So sehr, dass vor dem Stadion bereits Werbeprospekte für Final-Reisen verteilt wurden. Diese fanden jedoch nie statt. Das einzige Tor des Tages gelang den Engländern durch Ian Bowyer.

Der Traum vom europäischen Fußballthron war geplatzt. Eine andere Erfolgsgeschichte stand dagegen in den Startlöchern: Nottinghams Stürmer-Star Tony Woodcock hatte den FC-Verantwortlichen so gut gefallen, dass er vor der anschließenden Saison an den Rhein gelotst wurde. Für die damalige Rekordablöse von 2,5 Millionen D-Mark.

5. November 1980: Der FC stürmt das Camp Nou

Noch nie hatte eine deutsche Mannschaft im Europapokal beim FC Barcelona gewonnen. Bis zum 5. November 1980, als der 1. FC Köln das Camp Nou eroberte…

Für die seit Kurzem von Rinus Michels trainierte Mannschaft war es ein Jubiläum – das 100. internationale Spiel der Vereinsgeschichte. Der FC reiste allerdings mit nur wenig Hoffnung in die spanische Metropole. Das Hinspiel in der zweiten Runde des UEFA Cups hatte man zu Hause 0:1 verloren, die Chance auf ein Weiterkommen gegen die schier übermächtigen Katalanen war dementsprechend winzig – bei strömendem Regen, vor nur 38.000 Zuschauern. Doch diese trauten ihren Augen nicht: Vorstopper Gerhard Strack traf kurz vor der Pause (41.) zur Kölner Führung, Stephan Engels erhöhte unmittelbar danach (46.). Das Hinspiel-Ergebnis war gedreht, Barcelona überrascht – und der FC nun erst recht obenauf! Per Hackentrick ließ Tony Woodcock die komplette spanische Defensive alt aussehen. Er lieferte dem damals 20-jährigen Pierre Littbarski eine mustergültige Vorlage zum 3:0 (63.). Mit Dieter Müllers 4:0 (70.) war das Weiterkommen gesichert, die Sensation perfekt. Auf den Rängen wüteten derweil die Barça-Fans angesichts dieser Schmach. Zunächst flogen Feuerzeuge, dann Flaschen und wenig später sogar Sitzschalen. Im Anschluss war für den FC erst im Halbfinale des Cups Schluss, gegen den späteren Turniersieger Ipswich Town unterlag man zweimal mit 0:1.

6. Mai 1986: Das gestohlene Endspiel

Die beiden Final-Begegnungen um den UEFA Cup 1986 waren noch nicht mal angepfiffen, da lag der 1. FC Köln gegen Real Madrid bereits im Rückstand. Der damalige Modus verlangte, dass der Pokalsieger per Hin- und Rückspiel ermittelt wird. Wegen einer umstrittenen Strafe der UEFA (nach Fan-Ausschreitungen) durfte der FC sein „Heimspiel“ allerdings nicht in Müngersdorf austragen. Die Partie musste mindestens 350 Kilometer von Köln entfernt stattfinden, die Verantwortlichen entschieden sich für das Berliner Olympiastadion.

Zunächst mussten Trainer Georg Keßler und seine Mannschaft aber die rund 1500 Kilometer nach Madrid auf sich nehmen. Dort präsentierten sich die Königlichen als rundum höflicher Gastgeber. Sie schenkten den Kölnern nicht nur den üblichen Wimpel, sondern auch mehrere mit Real-Logo verzierte Aschenbecher. Das Ergebnis war weniger gastfreundlich: 5:1 für Madrid.

Köln bot sich eine denkbar schlechte Ausgangslage für das gestohlene, nach Berlin verbannte Rückspiel am 6. Mai 1986, das gerade mal 16.185 zahlende Zuschauer sehen wollten. Trotz aller Widrigkeiten landete der FC im leeren Olympiastadion zumindest einen Achtungserfolg, gewann durch die Treffer von Uwe Bein und Ralf Geilenkirchen mit 2:0 gegen Real Madrid.

14. September 2017: Gänsehaut in London

25 Jahre Warten hatten ein Ende. Nach dem Europa-League-Einzug unter Peter Stöger kehrte Köln mit einem Auswärts-Gruppenspiel beim FC Arsenal auf die internationale Bühne zurück – begleitet von 20.000 frenetischen Fans! Bereits Stunden vor Anpfiff sorgten die FC-Anhänger mit einem Marsch durch London für Gänsehaut. Während des Spiels dann für eine Atmosphäre, die das „Emirates Stadium“ selten erlebt hat, erst recht nach Jhon Cordobas 35-MeterTraumtor zur Führung.Auch wenn Arsenal noch 3:1 gewann, blieb es eine unvergessliche Nacht. Wie leidenschaftlich die Fans Kölns Euro-Comeback begleiteten, überwog die Tumulte vor Anpfiff um Längen – Gastgeber und Polizei hatten mit ihrer Fehlplanung rund ums Stadion Chaos angerichtet. Das Rückspiel gegen Arsenal entschied der FC durch ein Elfmeter-Tor von Serhou Guirassy mit 1:0 für sich, der bis heute letzte Europapokal-Sieg reichte jedoch nicht für das Überstehen der Gruppenphase. Martin Zenge

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