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Bissiges aus der Südstadt Oft verlässt Kabarettistin Eva Eiselt ihre Heimatbasis in der Nähe des Kölner Chlodwigplatzes, um in die Eifel zu pendeln oder quer durch Deutschland zu touren. Die 46-Jährige ist derzeit mit ihrem neuen Programm unterwegs, für das sie 2020 mit der renommierten „Ingberter Pfanne“ ausgezeichnet wurde.

Eva Eiselt ist seit rund 20 Jahren als Kabarettistin erfolgreich. Foto: Ant Palmer

12.10.2021

Eva, du bist laut Selbstbeschreibung ein Rohdiamant der Kleinkunstszene. Was meinst du damit? Willst du dich nie schleifen lassen? Nie im Stadion spielen? 

Eva Eiselt: Ein Rohdiamant ist einfach rein und unvollendet. Ich möchte pur bleiben und mich nie von außen bearbeiten oder schleifen lassen. Ich will mich auch nicht in eine Fassung quetschen lassen. Hm – natürlich will ich mich auch nicht aus der Fassung bringen lassen (lacht). Mein Ziel ist es also nicht, irgendwann im Berliner Olympiastadion mit Feuerwerk aufzutreten, sondern authentisch zu bleiben. Kleinkunst reicht mir völlig, auch gern in größeren Räumen, aber die Zuschauer und ich sollen noch das Gefühl haben, sich gegenseitig erreichen zu können.

Smile Optic

Was entgegnest du Männern die sagen: „Iiih, Frauenkabarett, da wird doch sowieso nur auf uns eingedroschen.“

Jou, die kenne ich. Erst einmal entgegne ich, dass so etwas wie ein Frauenkabarett nicht existiert. Es gibt ja auch kein Männerkabarett. Oder ein Türkenkabarett. Nur weil ich eine Frau bin, gehöre ich nicht plötzlich einer anderen Kleinkunst-Sparte an. Und das Thema Mann/Frau ist mir außerdem nicht so wichtig, dass ich da einen ganzen Abend draus machen würde. Ich reiße Gags über Männer und Frauen, jeder bekommt sein Fett zu gleichen Teilen weg. Es ist übrigens tatsächlich mal statistisch belegt worden, dass humorvolle Frauen Männern eher Angst machen. Im Gegenzug finden Frauen Männer, die Humor haben, eher attraktiv. Verrückt, oder? Vielleicht haben also ein paar Männer Angst vor mir. Aber ich bin gar nicht böse.

Du bist derzeit mit deinem sechsten Programm unterwegs. Worauf liegt in „Wenn Schubladen denken könnten“ der Fokus?

Wie der Titel schon verrät: Ich arbeite verschiedene Schubladen ab. Wir Menschen neigen ja dazu, auf alles einen Stempel draufzuhauen und es in unserem eigenen Schubladenkopf abzulegen. Es geht also viel um Vorurteile und Klischees. Schubladendenken kennt ja nun jeder, aber man guckt doch selten nach, welche man da so hat und welche nochmal dringend ausgemistet gehören.


Vielleicht haben ein paar Männer Angst vor mir – aber ich bin nicht böse


Gibt es Themen, die immer in deinen Programmen auftauchen? Einen roten Faden?

Ja klar, mit Sicherheit! Lass mich mal nachdenken (lacht). Was immer irgendwie auftaucht, ist die Digitalisierung, beziehungsweise wie wir mit ihr umgehen. Die Natur, der Klimawandel und generell unser Umgang mit der Erde ist auch immer schon dabei gewesen, nicht nur aus dem traurigen aktuellen Anlass. Und Kapitalismuskritik scheint sicherlich ebenfalls immer mal wieder durch. Außerdem mache ich mich oft darüber lustig, wie wir Menschen ständig versuchen, unser Glück zu finden und immer haarscharf daran vorbei schrappen. Und das nicht aus bösem Willen, sondern weil wir es einfach nicht besser hinbekommen. Das ist eben schon fast lustig, wenn es nicht so tragisch wäre. Der Mensch schafft es einfach nicht, in sein Gleichgewicht zu kommen, ob in der Gesellschaft oder im Privaten.

Corona liegt zwar längst noch nicht hinter uns, doch geht es bezogen auf Veranstaltungen schon lange wieder bergauf. Auch dein Tourkalender ist sehr gut gefüllt ...

In meinem eigenen kleinen Theater – dem „Kulturstall“ in Bad Münstereifel-Nöthen – war ich schon immer sehr gut besucht, worüber ich sehr glücklich bin. Die Flutkatastrophe hat mein Theater stehen lassen und so konnten wir der Region ein paar schöne Abende bescheren, unter anderen auch eine Benefiz-Veranstaltung für die Flutopfer. Auch dass der „WDR Satire Sommer“ bei mir aufgezeichnet wurde, war sehr großartig. Jetzt ist es Herbst und es geht wieder nach drinnen. Da wünsche ich mir, dass die Kölnerinnen und Kölner in die Theater gehen, ins Kabarett und den Hunger nach Kultur stillen. Die Hygienekonzepte sind prima und einen Live-Abend brauchen wir doch alle dringend mal wieder, oder?
  

On Tour in Köln:

27.10. Stollwerck
12.12. Senftöpfchen
22.01. Senftöpfchen

Alle Daten & Tickets: www.evaeiselt.de

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