Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.
Abmelden

Specials

Anzeigen
ANZEIGE

Ein Teil von Köln: Eine Fotocollage schmückt die U-Bahnhaltestelle „Neumarkt“ – Der Kölner Salvatore Montalto ist dort seit mehr als 30 Jahren zu sehen

Ich bin in Köln geboren und aufgewachsen, also ein echter Kölscher“, sagt Salvatore Montalto, dessen Familie aus Italien stammt. „Und dadurch, dass mein Foto dort hängt, bin ich auch ein Teil von Köln.“ Besagtes Bild entstand, als er ungefähr 16 Jahre alt war. Es ist Bestandteil der Fotocollage am U-Bahnsteig der Haltestelle „Neumarkt“, an der die Bahnen der Linien 3, 4, 16 und 18 verkehren. „Ich war damals zufällig am Neumarkt, musste etwas besorgen. Ich habe bemerkt, dass ich aufgenommen wurde. Später sah ich dann mein Bild an der Haltestelle wieder“, erzählt der heute 48-jährige Facility-Manager. „Es ist schon etwas Außergewöhnliches, so abgebildet zu sein. Ich erzähle gern meinen Bekannten davon und schaue mir das Foto an, wenn ich dort ein- oder aussteige.“
   
Salvatore Montalto heute und als Teil der Collage (s. Pfeil)
Salvatore Montalto heute und als Teil der Collage (s. Pfeil)
150 Meter Radius. Stefan Worring und Wolfgang Zurborn, die das Kunstwerk vor 32 Jahren schufen, kennen zwar den Jungen auf dem Foto, nicht aber Salvatore Montalto. Alle anderen Personen, die auf den Collagen zu sehen sind, sind ihnen ebenso unbekannt. „Bevor wir mit der Arbeit begannen, haben wir überlegt, was den Neumarkt ausmacht. Genau das wollten wir zeigen. Und das sind vor allem die Menschen, die sich dort bewegen, einkaufen oder arbeiten – Großstadtalltag eben“, erklärt Worring. „Wir haben also Fotos von Menschen und markanten Orten in einem Radius von rund 150 Metern rund um den Platz gemacht – etwa von den Richmodis-Köpfen in der Stadtbibliothek.“

40.000 Kopien. Der Fotoingenieur arbeitet seit 1990 beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ – inzwischen als stellvertretender Ressortleiter im Lokalen. Als er den Auftrag erhielt, die Haltestelle zu gestalten, war er noch Student. „Allein wollte ich das nicht machen, also habe ich Wolfgang Zurborn dazu geholt, der gerade sein Studium in Dortmund beendet hatte“, berichtet Worring. Glatte Fotos waren den beiden nicht ausdrucksstark genug, deshalb veränderten und verfremdeten die Künstler sie. Einige Bilder wurden stark gerastert oder in Schwarz-Weiß-Aufnahmen umgewandelt. „Dabei haben wir mit einem geleasten Kopierer gearbeitet“, erzählt Worring. „Die erste Generation von Farbkopierern, die wir nur gezielt eingesetzt haben, arbeitete noch ziemlich schräg, was die Farben angeht. Wir haben wochen- und monatelang in einem Raum verbracht und bestimmt um die 40.000 Abzüge gemacht.“

"Monatelange Arbeit mit einem geleasten Kopierer"

Ein wirklich cooles Gefühl. Wie viel den Urhebern bezahlt wurde, wissen sie heute nicht mehr. „Für Studenten war es viel Geld, aber das Honorar stand in keinem Verhältnis zu den Arbeitsstunden. Wenn man bedenkt, dass die Collagen nun schon 32 Jahre dort hängen, war das für die Stadt Köln eine richtig günstige Sache“, sagt Worring lachend. „Ich freue mich, dass unsere Arbeit bis heute Bestand hat und bin auch ein bisschen stolz darauf.“ Kollege Zurborn geht es genauso: „Ich fahre viel U-Bahn und komme oft an den Collagen vorbei. Es ist ein wirklich cooles Gefühl, so etwas in der Stadt zu haben.“ Bis heute betrachten die Fahrgäste das Werk mit Interesse. Noch nie wurde die Installation beschädigt oder besprüht. „Ein gutes Zeichen dafür, dass die Menschen diese Kunst akzeptieren“, freuen sich Stefan Worring und Wolfgang Zurborn.
  

Infos sind gefragt

Wer interessante Infos zur „Kunst im Untergrund“ hat, kann diese gerne per E-Mail an die KVB schicken: gudrun.meyer@kvb.koeln

Hinweis auf Messe

Stefan Worring (l.) und Wolfgang Zurborn im Jahr 1987
Stefan Worring (l.) und Wolfgang Zurborn im Jahr 1987
Die Haltestelle „Neumarkt“ erlebte bereits zwei Umbaumaßnahmen

Die Haltestelle „Neumarkt“ – neben „Dom/Hbf.“ einer der bedeutendsten Knotenpunkte des Kölner ÖPNV – wurde 1969 in Betrieb genommen und seitdem zweimal umgebaut: 1987 wurden die Bahnsteige um drei Meter verbreitert, da sie für die stetig wachsende Zahl der Fahrgäste zu schmal waren. Die Maßnahme planten die Architekten Ursula und Peter Trint, die auch das Haubrichtforum entworfen hatten. Die Wandgestaltung sollte auf die für Köln bedeutende und jährlich stattfindende Messe „Photokina“ hinweisen.
  
Die Skulptur steht nun am Friesenplatz
Die Skulptur steht nun am Friesenplatz
Stefan Worring und Wolfgang Zurborn wurden auf Wunsch des Paares von der Stadt mit der Gestaltung beauftragt. Ihre Collage wurde zunächst durch Scheiben geschützt. Als 2004 die Bahnsteige für Hochflurfahrzeuge um 90 Zentimeter erhöht wurden, hätten die an beiden Seiten der Bahnsteige angebrachten Werke verkürzt werden müssen. Dies wurde verhindert, indem die Fotos auf Folien kopiert wurden und bis heute in hinterleuchteten Glaskästen präsentiert werden.

Eine Skulptur aus Aluminium und Messing von Manfred Ott, die 1970 im Neumarkt installiert worden war, zog nach dem zweiten Umbau um und fand später in der Haltestelle „Friesenplatz“ ein neues Zuhause.
  
zurück zur Übersicht KölnTakt 2019
Datenschutz