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So bekamen wir 70 Jahre eine geklebt Passend zur Bundestagswahl ist im Bonner Haus der Geschichte die Sonderausstellung „Wähl mich – Parteien plakatieren“ zu sehen. Eine Zeitreise mit Wahlplakaten, die auch an alte Hauptstadtzeiten im großen kleinen „Bundesdorf“ am Rhein erinnert.

Bild: Stiftung Haus der Geschichte/Ralf Klodt

2.09.2021

Es war das letzte innenpolitische Großereignis der alten Hauptstadt: Bei der Bundestagswahl am 27. September 1998 blickten noch einmal alle nach Bonn, neun Monate vor dem Umzug nach Berlin. Fast auf den Tag genau vor 23 Jahren waren die Voraussetzungen damals ähnlich wie bei der kommenden Wahl am 26. September. Nach 16 Jahren Helmut Kohl standen die Zeichen auf Wechsel. Würde die SPD übernehmen, Gerhard Schröder neuer Kanzler?

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Wie bei allen Wahlen seit 1949 traten sich Parteien, Journalisten und Zaungäste im kleinen Bonn auf den Füßen herum. Die SPD hatte die Ollenhauerstraße vor ihrer Parteizentrale abgesperrt, dort ein riesiges Zelt und eine Bühne aufgestellt. Denn im Erich-Ollenhauer-Haus selbst, in dem heute unter anderem ein Büffet-Restaurant residiert, war schlicht zu wenig Platz.

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Nur ein Katzensprung entfernt platzte auch die CDU Parteizentrale im Konrad-Adenauer-Haus (wurde 2003 gesprengt) an der Friedrich-Ebert-Allee aus allen Nähten. Die Christdemokraten hatten ordentlich aufgefahren: 3,5 Hektoliter Bier und 800 Flaschen Wein standen neben Unmengen von Frikadellen und Leberkäse bereit, um die 3000 Gäste zu bewirten und mit ihnen gemeinsam auf vier weitere Jahre Kanzler Kohl anzustoßen. Das daraus letztlich nichts wurde, ist eine andere Geschichte.


Geschenke vom Teebeutel bis zum Quietscheentchen


Die Grünen gingen den Abend übrigens bescheidener an: Im, für die Wahlparty angemieteten, Bonner Brückenforum mussten die belegten Brötchen von den Gästen selbst bezahlt werden. Zum runterspülen lagen 300 Flaschen Riesling für 2000 Gäste in den Kühlschränken. Leider kein Ökowein, wie ein Organisator der Partei bedauerte. Es ist fraglich, ob diese Vorräte gereicht haben. Denn kurz nach den ersten Hochrechnungen war klar: Die SPD würde gemeinsam mit den Grünen die nächste Regierung stellen.

Wie zur Wahl 1998 und in allen Jahren seit 1949 in Deutschland plakatiert wurde, zeigt die aktuelle Sonderausstellung im Haus der Geschichte. Eine kleine Reise durch 70 Jahre Republik, in der mit den prägnanten Kampagnen der Vergangenheit („Keine Experimente! Konrad Adenauer“ oder etwa „Willi wählen!“) Erinnerungen geweckt werden. Sehr interessant ist zu sehen, wie sich Ansprache, Themen, Ästhetik, Farben und Design im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. Neben den reinen Plakaten ist überdies auch weiteres Wahlwerbematerial zu sehen wie zum Beispiel Prospekte und Geschenke, vom Streichholzheftchen über Teebeutel bis hin zu Quietscheentchen.

Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf die Köpfe hinter den Kampagnen: Präsentiert werden Arbeiten der Werbeagentur „von Mannstein Concept Design“, die erfolgreich über einen langen Zeitraum Bundestags- und Landtagswahlkämpfe der CDU und der FDP begleitet hat. Auch die Entstehung des SPD-Wahlplakates von 1972 und die berühmte Kampagne „Willy wählen“ durch die Arbeit von Harry Walter und seiner Düsseldorfer Agentur ARE ist Thema der Ausstellung.

Die Sonderausstellung „Wähl mich! Parteien plakatieren“ ist noch bis zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

www.hdg.de