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Da sein auf dem letzten Weg: Viel Sensibilität und Einfühlungsvermögen gefragt

Robert Kneschke - stock.adobe.com

In einem Hospiz zu arbeiten ist ein besonderer Job. Jessica Pollmeier hat sich dazu als Teenager entschieden. Inzwischen ist die 28-Jährige sogar die stellvertretende Leiterin des Palliativ- und Hospiz-Zentrums der GFO Kliniken Rhein-Berg.
  
Schulranzen - Fachcenter Leverkusen
Jessica Pollmeier erfüllt gerne Wünsche. Oftmals sind es letzte Wünsche. Wie im Sommer 2016, als die stellvertretende Leiterin des Palliativ- und Hospiz-Zentrums der GFO Kliniken Rhein-Berg mit einer im Sterben liegenden Patientin ans Meer fuhr. Es war für die an Krebs erkrankte Frau das erste Mal überhaupt, dass sie einen Ozean zu Gesicht bekam. „An das Strahlen in ihren Augen kann ich mich noch gut erinnern“, sagt Pollmeier. „Wir waren danach zusammen mit ihrem Sohn und seiner Frau noch den ganzen Tag in Domburg.“
Einige Tage später verstarb diese Patientin allerdings. „Es ist oft so, dass Patienten, mit denen ich so etwas erlebe, dann auch im meinem Dabeisein versterben“, erklärt Pollmeier, die darauf mental eingestellt sein muss. Denn bei den Gästen im Palliativ- und Hospiz-Zentrum der GFO Kliniken Rhein-Berg schlägt keine Therapie mehr an. Sie haben meist eine unheilbare Form von Krebs, im Endstadium.

Hier wird viel mehr gelacht als geweint

„Einen besseren Arbeitsplatz, als in einem Hospiz oder einer Palliativ-Station zu arbeiten, gibt es für mich trotzdem nicht. Denn ich kann hier einfach für Menschen da sein, die Hilfe brauchen“, sagt Pollmeier. „Ich will ihnen helfen, sich in dieser Phase ihres Lebens noch so wohl wie möglich zu fühlen.“

Die 28-jährige Jessica Pollmeier vor dem Teich des Palliativ- und Hospiz-Zentrums der GFO Kliniken Rhein-Berg. Fotos: Alexander Büge
Die 28-jährige Jessica Pollmeier vor dem Teich des Palliativ- und Hospiz-Zentrums der GFO Kliniken Rhein-Berg. 
Fotos: Alexander Büge
Damit dies passieren kann, sind die Zimmer im Palliativ- und Hospiz-Zentrum der GFO Kliniken Rhein-Berg so modern und gemütlich wie möglich eingerichtet. Auch die große Wohnküche und der Wintergarten laden zum Verweilen ein, der angrenzende Park zu einem Spaziergang. Doch das schöne Ambiente kann nicht verhindern, dass die meisten Patienten dort in den ersten drei Monaten nach der Ankunft versterben. Ein Zustand, den Pollmeier hinnehmen muss. „Davon lasse ich mich nicht runterziehen. Auch weil hier viel mehr gelacht als geweint wird. Die Leute wollen einfach so normal wie möglich leben. Die Fußball-WM 2018 beispielsweise haben alle Bewohner mit uns zusammen im Aufenthaltsraum geschaut, viele trugen Trikots der deutschen Mannschaft“, sagt Pollmeier. „Oder an Karneval, da verkleiden sich die Leute und feiern zusammen.“
  
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Doch obwohl sich Pollmeier im Hospiz von Anfang an gut zurechtfand, rieten ihr einige Personen aus dem Umfeld von ihrem Wunschberuf ab. „Viele meiner Freunde haben gesagt: ‚Hey, du bist 21. Wie kannst du auf so einer Station arbeiten und dabei so fröhlich sein?‘ Aber ich habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt, weil ich für die Leute da sein wollte und mich einfach mit ihnen hinsetzen und mir Zeit für sie nehmen kann“, sagt Pollmeier, die von Anfang anmit einer besonderen Einstellung in ihren Job startete. „Ich behandle die Leute ganz normal und gehe auf ihre Bedürfnisse ein. Denn sie sind immer sehr froh, wenn man offen und ehrlich zu ihnen ist. Sie wollen gar nicht anders behandelt werden als jeder andere Mensch auch.“

Schade: Wie in anderen Pflegeberufen mangelt es auch im Hospiz-Bereich an genügend Nachwuchskräften. „Wenn sich junge Leute diesen Berufsweg vorstellen können, sollten sie sich zunächst informieren und einen Eindruck bekommen, unabhängig davon, was ihnen Freunde raten“, sagt Pollmeier, die sich durch diesen Job enorm weiterentwickelte. „Ich setze Prioritäten anders und lebe mehr nach dem Motto, dass jeder Tag mein letzter sein kann. Ich versuche, die alltäglichen Dinge mehr zu genießen.“ Eine Erfahrung, die sie Nachwuchskräften gerne vermittelt. „Sie sollten die Chance wahrnehmen, diesen Beruf kennenzulernen, wenn sie sich dafür interessieren. Zwar sterben regelmäßig Menschen im Hospiz, doch worauf es wirklich ankommt, ist, dass sie hier so angenehm wie möglich leben können.“
  
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