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35 000 Schritte in einer Schicht:

Foto: Alexander Büge

Kein Beruf ist typischer für Köln als der des Köbes – vor allem in der Altstadt gehört er zum Stadtbild. Mittlerweile will den Knochenjob kaum noch jemand machen. Dabei lernen die Brauhaus-Kellner ständig neue Leute kennen, darunter viele lokale, nationale und internationale Promis.

Einer dieser Köbese ist Maurice Dahm. Der 43-Jährige arbeitet bereits seit 25 Jahren in der Gastronomie. Einen anderen Job auszuüben, kann er sich nicht mehr vorstellen. „Woanders ist der Kellner eine Service-Kraft, aber nicht in Köln. Hier ist der Köbes noch anerkannt. Die Kölschen wissen das, aber die Touristen oftmals nicht“, sagt Dahm. Seine redselige Art lässt ihn schnell Kontakt aufnehmen, das Plaudern macht ihm großen Spaß. Geschäftsfördernd ist seine Offenheit außerdem. Schließlich werden Köbese am Umsatz des Brauhauses beteiligt. „Wenn ein bestimmter Betrag erreicht wird, kommt ein gewisser Anteil als Zuschlag auf das Gehalt“, sagt Dahm.

Bis zu 70 Gäste werden gleichzeitig bedient

Beim Nachwuchs beliebt ist der Job dennoch nicht. Immerhin haben Köbese eine 60-Stunden-Woche, wobei sie permanent auf den Beinen sind. „An guten Tagen legen wir in einer Schicht 30 Kilometer zurück. Ich hatte mal einen Schrittzähler dabei, um das zu testen. Dabei kam raus, dass ich mehr als 35 000 Schritte gemacht habe“, erinnert sich Dahm, der im 2000 Plätze bietenden Früh am Dom phasenweise für bis zu 70 Gäste gleichzeitig da ist. „Als ich als Köbes angefangen habe, konnte ich in sechs Wochen acht Kilo abnehmen. Viele Brauhausbesucher können sich das nicht vorstellen. Aber samstags kommen gerne mal 15000 Gäste ins Früh am Dom.“

Wie viel Kölsch ein Gast getrunken hat, weiß der Routinier dennoch stets auswendig. „Das finden die Leute natürlich cool, wenn ich ihnen aus dem Kopf sagen kann: Das ist jetzt dein 26. Kölsch“, sagt der 43-jährige, der regelmäßig auch Promis bedient. Einst sogar den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl: „Zu einem Empfang sollte er einpaar Kanapees bekommen. Nachdem ich ihm diese gereicht hatte, hat er sich herzlich bedankt, mir aber gleichzeitig das ganze Tablett abgenommen und dazu gefühlt 20 Weizenbier getrunken.“

Der Köbes gehört zu Köln wie der Halve Hahn

Wegen Geschichten wie dieser will der 43-Jährige seinen Job so lange es irgendwie geht ausüben. „Ich habe Bock auf Menschen und will Leute kennenlernen. Deshalb ist diese Art der Arbeit perfekt für mich“, sagt Dahm. „Für die meisten Einwohner gehört der Köbes zu Köln wie der Halve Hahn, das Kölsch oder der Dom. Für mich ist er sogar eine Lebenseinstellung.“

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