Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.
Anzeigen

Das rechtsrheinische Köln von einer seiner schönsten Seiten an der eleganten Freitreppe. Bild: Vladimirs/stock.adobe.com

ANZEIGE

Darum heißt es Schäl Sick Kölns linke Rheinseite wäre heutzutage nichts mehr ohne die rechte.

22.09.2020

So wie es zwei Herzhälften gibt, können auch die beiden Kölner Teile nur zusammen im Takt schlagen. Wir klären, warum die Schäl Sick überhaupt so genannt wird.

Was soll das eigentlich bedeuten – Schäl Sick? Und wieso klingt der Begriff aus dem Mund vieler Kölner eher abwertend? Immerhin lebten Ende 2019 etwa 402830 Menschen im rechtsrheinischen Teil der Stadt – rund 37 Prozent der Gesamtbevölkerung von 1091819 also. Es mag Domstädter geben, denen diese Fragen nur noch ein Gähnen entlockt. Doch mindestens ebenso viele dürften, wenn sie ehrlich sind, keinen blassen Schimmer haben.

Leihhäuser Kemp GmbH

Genau genommen gibt es keine genau verbriefte Herkunft für den Begriff Schäl Sick („Blinde Seite“, „Schielende Seite“), dennoch existieren zwei Erklärungen, die beide plausibel erscheinen. Die erste hat etwas mit Pferden zu tun. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts halfen Treidelpferde in Köln, die Schiffe auf dem Rhein stromaufwärts zu ziehen. Das taten sie auf eigens angelegten Leinpfaden. Die hießen so, weil die Pferde mit dicken Leinen aus Hanf mit den Schiffen verbunden waren.

Heute sind die alten Leinpfade vor allem im Süden des Linksrheinischen eine beliebte Fahrrad- und Fußgängerstrecke. Die Treidelpferde trugen Scheuklappen, um nicht von den Spiegelungen der Sonne auf dem Wasser geblendet zu werden. Deutz und das Rechtsrheinische wurde für die Tiere so zur unsichtbaren Schäl Sick.


Der einäugige Odin könnte schuld sein


Die zweite Erklärung hat einen religiösen Hintergrund. Im frühen Mittelalter war der Rhein die Grenze des römischen Reiches. Links bevölkerten also die Römer das alte Köln, während auf der rechten Rheinseite Germanen aus dem Stamme der Ubier lebten. Diese huldigten ihren eigenen Göttern wie Odin oder Thor. Christen aber verachteten die in ihren Augen heidnischen Gottheiten, vor allem den einäugigen („schälen“) Odin. Und so lebte das unkultivierte, heidnische Volk eben auf der Schäl Sick. 

Diese Animositäten zwischen beiden Kölner Hälften halten sich bis heute, wenngleich oft nur noch mit einem Augenzwinkern ausgesprochen. Sogar der erste deutsche Bundeskanzler und Kölner Ex-OB Konrad Adenauer sagte einst: „Hinter Deutz fängt Sibirien an.“

In einem hat die Schäl Sick jedoch wirklich das Hintertreffen: Laut Statistischem Jahrbuch der Stadt Köln gibt es linksrheinisch 40 Kilometer Rheinufer, rechtsrheinisch dagegen lediglich 27,3 Kilometer.