Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.
Abmelden

Specials

Sonderveröffentlichung
ANZEIGE

Kölns cleverstes Denkmal: Die bewegte Geschichte des Heumarkt-Standbildes

Das Denkmal ist weit mehr als nur eine Huldigung von Friedrich Wilhelm III. Foto: travelview/stock.adobe.com

14 Meter hoch ragen Ross und Reiter in den Kölner Himmel. Seit rund drei Jahren steht das metalene Standbild zu Ehren von Friedrich Wilhelm III. in der jetzigen Form auf dem Kölner Heumarkt. EXPRESS erklärt die bewegte Geschichte des Monuments, welche Berühmtheiten aus Politik, Gesellschaft und Kultur darauf verewigt wurden und warum es das wohl cleverste Denkmal Kölns ist.

Es ist der Hingucker auf dem Heumarkt. Anfang nächsten Jahres sollen zusätzliche Infotafeln angebracht werden, dann ist das Monument – zumindest vorläufig – fertig. Die Geschichte des Denkmals zu Ehren des preußischen Königs ist dabei so bewegt wie die Historie des Landes selbst.

Der damalige Oberbürgermeister Joseph Hermann Stupp hatte 1855 die Idee, Friedrich Wilhelm III. ein Denkmal zu errichten. Die Künstler Gustav Blaeser und Hermann Schievelbein erhielten dafür den Zuschlag. Sie verstarben jedoch noch vor der Enthüllung des Monuments im Jahre 1878.

Im zweiten Weltkrieg erlitt es starke Beschädigungen – die teilweise auch heute noch zu sehen sind. 1950 wurde der Heumarkt neugestaltet, der Sockel abgetragen und die übrigen Bauteile eingelagert.

Erst am 21. August 1984 fanden die Figuren auf einem neugegossenen Sockel wieder in ihrer ursprünglichen Anordnung zusammen – allerdings noch ohne Ross und Reiter. Besonders spektakulär war daher die Aktion des Kölner Künstlers Herbert Labusga, der im September 1985 über Nacht ein Reiterstandbild aus Styropor installierte. Dieses wurde später jedoch wieder entfernt.

2009 gelangte das für 200000 Euro restaurierte Pferd wieder auf seinen Platz zurück.

Der Kölner Verkehrsverein e. V. beauftragte schließlich den Düsseldorfer Bildhauer Raimund Kittl mit der Rekonstruktion des Standbildes. Am 29. September 1990 bezog der Preußenkönig fest im Sattel sitzend wieder seinen Platz in der Höhe. Im April 1993 ließ die Stadt Köln die fehlenden Reliefplatten rekonstruieren und ergänzen.

Ab 2001 mussten die mittlerweile porös gewordenen Pferdebeine mit einem Gerüst abgestützt werden. Eine Orkanwarnung führte 2007 dazu, dass das in die Jahre gekommene Denkmal am 7. November ganz abgebaut wurde.

Dank des ehemaligen OB Fritz Schramma, dem Kölner Verkehrsverein e. V. und der zu diesem Zweck gegründeten Interessensgemeinschaft IG Päd gelangte das für 200 000 Euro restaurierte Pferd am 6. Oktober 2009 schließlich wieder zurück auf seinen Platz.

Der Sockel wurde erst dank vieler Spenden 2015 überarbeitet. Der damalige OB Jürgen Roters bedankte sich in seiner Rede am 6. September des selben Jahres vor allem bei Rodney Ranz, dem Ausrichter des Weihnachtsmarktes auf Alter Markt und Heumarkt, Doktor Joachim A. Groth, dem heutigen Vorsitzenden der Bürgergemeinschaft Altstadt, sowie Professor Leo Kreutzer. Dieser hatte im Namen seiner verstorbenen Frau einen großen Geldbetrag gespendet.

Das Besondere des Denkmals ist bis heute jedochnicht nur die bewegte Geschichte sondern seine Aussage: Denn auch wenn der König hoch zur Rosse thront, so finden sich auf dem Sockel zahleiche Personen des zivilen Lebens – und zwar mehr als Menschen aus Reihen des Militärs. Damit gilt das Denkmal als subversive Überlistung des preußischen Militärstaates.

Wenn man den Kölnern zeigt, wer dort alles zu finden ist, sind die meisten total baff.

„Es ist total schlau. Auf der einen Seite der preußische Monarch, um den man in der damaligen Zeit nicht herum kam, auf der anderen Seiten das Bürgertum auf den Reliefplatten“, schwärmt Professor Leo Kreutzer, der als Experte für das Monument gilt.

Kreutzer sitzt im Vorstand der Bürgergemeinschaft Altstadt und möchte den Kölner klar machen, dass es sich um weit mehr handelt als eine Statue zu Ehren des preußischen Königs. „Der Name Reiterdenkmal macht die Menschen blind für all die Vielschichtigkeit.“

Denn auf den vier Reliefplatten unter den Figuren sind zahlreiche Berümtheiten aus Kultur und Politik versammelt. Unter anderem sind Ludwig van Beethoven oder Felix Mendelssohn-Bartholdy am Flügel zusehen. Der Philosoph Hegel und Jurist Friedrich Karl von Savigny finden sich dort ebenso wie Ferdinand Franz Wallraf, der einst den Melaten-Friedhof gestaltete.

Auch der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Dr. Joachim A. Groth ist von dem Bauwerk begeistert. „Es ist so spannend zu sehen, wer alles auf diesem Denkmal verewigt wurde. Wenn man den Kölner zeigt, wer dort alles zu finden ist, sind die meisten total baff.“

Die Bürgergemeinschaft Altstadt

Der Vorsitzende des Vereins Dr. Joachim A. Groth. Foto: Kohlenberg
Der Vorsitzende des Vereins Dr. Joachim A. Groth. 
Foto: Kohlenberg
Die Bürgergemeinschaft Altstadt / Verein zur Förderung einer lebenswerten Altstadt e. V. wurde 1994 gegründet und versteht sich als ein Netzwerk von Anwohnern, Händlern, Gewerbetreibenden, Dienstleistern, Hoteliers und Gastronomen sowie Institutionen. Ihr Ziel ist es, den Kulturgrund der Kölner Altstadt für kommende Generationen zu erhalten. Die Mitglieder möchten zudem das soziale Miteinander fördern. Zu den Tätigkeitsschwerpunkten zählen Veranstaltungen zur Einwerbung und Übergabe von Spenden, die Förderung von Institutionen und Initiativen durch die jährliche Vergabe eines Altstadtpreises sowie der vielfältige Austausch mit der Politik und Verwaltung. Der Jurist Dr. Joachim A. Groth ist der Vorsitzende, Iris Schütze 1. Stellvertretende und Professor Leo Kreutzer 2. Stellvertreter.

Unterhalb der Personendenkmäler befinden sich vier bronzene Reliefplatten (auf dem Foto nicht zu sehen), auf denen Szenen aus den Befreiungskriegen dargestellt wurden, wie auch aus dem blühenden kulturellen und wirtschaftlichen Leben. Bei den großen Sockelfiguren handelt es sich um folgende historische Personen (beginnend an der Frontfigur unter dem König, gegen den Uhrzeigersinn):

- Karl August Fürst von Hardenberg (1750–1822)
- Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (1759–1830)
- Heinrich Theodor von Schön (1773–1856)
- Friedrich Ludwig Christian Graf zu Solms-Laubach (1769–1822)
- Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755–1813)
- Christian Peter Wilhelm Friedrich Beuth (1781–1853)
- Friedrich Wilhelm Christian Carl Ferdinand von Humboldt (1767–1835)
- Friedrich Emil Ferdinand Heinrich Graf Kleist von Nollendorf (1762–1823)
- Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757–1831)
- Ludwig Friedrich Victor Hans Graf von Bülow (1774–1825)
- Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769–1859)
- Marcus Carsten Nicolaus von Niebuhr (1817–1860)
- August Neidhardt von Gneisenau (1760–1831)
- Ernst Moritz Arndt (1769–1860)
- Friedrich Christian Adolf von Motz (1775–1830)
- Gebhard Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstatt (1742–1819)

Gürzenich Orchester Köln
zurück zur Übersicht Express vor Ort: Altstadt
Datenschutz