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Vom Start weg ein Erfolg: Vor 50 Jahren wurde in Köln die erste U-Bahn-Linie in Betrieb genommen – Von 151 Kilometern Gleis liegen 36 unter der Erde

Jetzt geht‘s los! Zur Eröffnung der ersten U-Bahn- Strecke strömten die Kölner in die Stationen, um bei einer der Premieren-Fahrten dabei zu sein

Natürlich haben alle recht, die es immer besser wussten: Köln hat gar keine U-Bahn. In Wirklichkeit gibt es hier nur eine Stadtbahn, die streckenweise durch den Untergrund fährt. Als „Möchtegern“-U-Bahn wurde sie deshalb in ihren Anfangszeiten verspottet. Inzwischen aber ist sie aus den Kinderschuhen heraus und hat sich die Bezeichnung „U-Bahn“ – auch wenn sie immer noch nicht ganz korrekt ist – verdient.

Schrittweiser Ausbau. Nachdem jahrzehntelang immer weiter „angebaut“ wurde, hat das Streckennetz auf dem Stadtgebiet 50 Jahre nach der Inbetriebnahme am 11. Oktober 1968 eine Länge von 151 Kilometern. 36 Kilometer davon unter der Erde. Eine stolze Leistung, angesichts der Tatsache, dass alles mit 1,4 Kilometern und drei U-Bahn-Stationen angefangen hat – heute gibt es 40. Zu verdanken ist dieser Fortschritt einem Vorgehen, das auf einen schrittweisen Ausbau des unterirdischen Systems setzte und diesen konsequent durchzog.

Rasanter Aufschwung. In den 1960er-Jahren muss die Stadt zunächst „kleine Brötchen backen“. Der zweite Weltkrieg liegt nicht weit zurück. Dreiviertel der Stadt sind zerstört – auch die Gleistrassen der Straßenbahn. Zwar werden sie so schnell wie möglich wieder instand gesetzt, aber der rasante wirtschaftliche Aufschwung in den 1950er-Jahren, das sogenannte Wirtschaftswunder, führt schnell zu neuen Herausforderungen: Wer es sich leisten kann, schafft sich einen Pkw an. Schon bald sind die Straßen überfüllt, und die Bahnen stehen mit im Stau. In vielen deutschen Großstädten wird nun mit dem Tunnelbau begonnen.

Neue Trassen. In Köln verabschiedet der Rat 1956 einen Generalverkehrsplan zum Ausbau eines unterirdischen Schienennetzes in der Innenstadt. 1962 wird das Vorhaben konkret in Angriff genommen: Mit dem ersten Spatenstich am Römerturm startet am 19. September 1963 der Bau der ersten Strecke von Dom/Hbf bis Friesenplatz. Noch bevor diese in Betrieb geht, beginnt die Arbeit an weiteren Trassen: 1969 Appellhofplatz-Neumarkt- Poststraße, 1970 Poststraße-Severinstraße und Dom/Hbf-Breslauer Platz. Damit ist das Rumpfnetz innerhalb der Ringe fertig.

Ins Netz integriert. Da die Stadt die U-Bahn zunächst aus eigenen Mitteln finanzieren muss, kann sie immer nur so weit bauen, wie Geld zur Verfügung steht. Trotzdem geht es zügig voran. So schnell wie möglich sollen die Oberflächen entlastet und die neuen Strecken in das vorhandene Netz integriert werden. 1973 werden die U-Bahn nach Chorweiler und die Hochbahn Nußbaumer Straße bis Mülheimer Straße angeschlossen, 1974 die Strecke Breslauer Platz bis Neusser Straße mit Abzweigen zum Ring und zur Riehler Straße, zum Hansaring und zum Zoo. Weitere Strecken. Zwischen 1974 und 1981 werden die Mülheimer, die Deutzer und die Severinsbrücke für den Stadtbahnverkehr erschlossen. 1976 wird der Bahnbetrieb nach Höhenberg/ Vingst aufgenommen, 1980 ist die Trasse nach Vingst fertig und 1983 die nach Deutz. Es folgen weitere Strecken: 1985 Friesenplatz bis Gutenbergstraße, 1987 Christophstraße bis Rudolfplatz, 1989 Hans-Böckler-Platz bis Venloer Str./Gürtel und 1992 Venloer Str./Gürtel bis Bocklemünd.

Erste Niederflurwagen. Bis jetzt wird mit Straßenbahnen gefahren, die Hochflurfahrzeuge sind. Die Treppenstufen zum Aus- und Einsteigen stellen allerdings für ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen ein Hindernis dar. Die Stadt Köln und die KVB beschließen daher 1992 den Umstieg auf Niederflurbahnen auf den dafür geeigneten Strecken, die im Wesentlichen in Ost-West-Richtung verlaufen. 1994 wird das gesamte Schienennetzes neu geordnet. Mit mehr als 200 Millionen Fahrgästen erreicht die KVB in diesem Jahr ein Rekordergebnis. 1995 werden die ersten Niederflurwagen eingesetzt.

Platz für Menschen. 1997 ist die Trasse Mülheim/ Wiener Platz bis Buchheim fertig, 2000 die Haltestelle Bensberg. 2001 geht es weiter mit der Erweiterung des Niederflurnetzes um die Ringlinien 12 und 15 sowie der Linie 6, die heute nicht mehr verkehrt. Drei Jahre später beginnt der Bau der Nord-Süd Stadtbahn; 2011 bis 2015 werden alle Haltestellen fertig. 2018 steht die Frage im Raum, ob der Ausbau des unterirdischen Netzes weitergeführt werden soll. Diesmal nicht, um Platz für Autos zu schaffen, sondern für Menschen, die zu Fuß gehen oder Rad fahren.

„Hauptsache abwaschbar“

Themen bei der KVB-Lounge waren der Kölner U-Bahnbau und Herausforderungen der Zukunft

Auf dem Podium entwickelte sich ein angeregter Gedankenaustausch
Auf dem Podium entwickelte sich ein angeregter Gedankenaustausch
Genaue Abstimmung. Die Mannschaft der KVB und eines Die 13. KVB-Lounge am Abend des 11. Oktober 2018 war gut besucht und das Podium prominent besetzt. Etwa 120 geladene Gäste aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft sowie dem eigenen Betrieb waren gekommen, um das Jubiläum „50 Jahre U-Bahn in Köln“ gemeinsam zu begehen. Oberbürgermeisterin Henriette Reker eröffnete den Abend mit einem Grußwort, in dem sie die Leistungen aller Menschen würdigte, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten mit Engagement und Know-how dazu beigetragen haben, das unterirdische Schienennetz in der Domstadt mit auszubauen.

Prominente Teilnehmer. WDR-Moderator Henning Quanz moderierte die anschließende Talkrunde, in der es sowohl darum ging, einen Blick in die Vergangenheit des U-Bahnbaus in Köln zu werfen, als auch die verkehrlichen Herausforderungen der Zukunft zu beleuchten. Teilnehmer auf dem Podium waren Andrea Blome (Beigeordnete der Stadt Köln für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur), Prof. Dr. Barbara Schock-Werner (ehemalige Dombaumeisterin), Prof. Dr. Ing. Wolfgang Meyer (früherer KVB-Vorstand) und Dipl. Ing. Reinhard Thon (ehemaliger Leiter des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau). Als Gastgeber fungierte der derzeitige KVB-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fenske.

Spannende Zeit. Nach Berlin und Hamburg war Köln die dritte deutsche Stadt mit einer U-Bahn; in NRW sogar die erste. „U-Bahnfahren fühlte sich großstädtisch an“, erinnerte sich Henriette Reker. Reinhard Thon fing mit knapp 30 Jahren im Amt für Brücken und Stadtbahnbau an und hat am größten Teil des Netzausbaus mitgewirkt. „Eine spannende Zeit“ sagte er. „Durch das Auto sanken die Fahrgastzahlen. Als der U-Bahnbau bis zur Severinstraße fertig war, wendete sich das Blatt und die Zahlen stiegen wieder an.“ Ein großer Vorteil, so Wolfgang Meyer, sei das Mischsystem gewesen, weil die Menschen nicht umsteigen mussten von der Straßen- in die Untergrundbahn. Andrea Blome sah das nicht ganz so: Heute sei dieses System eher ein Problem, meinte sie. Damals sei das sicher richtig so gewesen, heute aber wäre der oberirdische Betrieb störanfällig. Eine U-Bahn sei wesentlich leistungsfähiger und damit attraktiver für die Kunden, pflichtete Jürgen Fenske bei. Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner beleuchtete einen ganz anderen Aspekt des U-Bahnbaus: Für sie wäre vor allem das architektonische und künstlerische Vermächtnis im Untergrund interessant (siehe Beitrag auf S. 4). Damals war das aber kaum von Interesse, erzählte Thon: „Immer wenn es um Fragen der Gestaltung ging, lautete die Antwort: Hauptsache abwaschbar ...“


Schätze im Kölner Untergrund

Barbara Schock-Werner gewährt faszinierende Einblicke in die kölschen U-Bahn-Haltestellen

Barbara Schock-Werner bei einer Signierstunde für ihr neues Buch
Barbara Schock-Werner bei einer Signierstunde für ihr neues Buch
Dombaumeisterin a. D. Prof. Dr. Barbara Schock-Werner fährt seit langer Zeit mit der KVB und ist mit ihrem Stammkundenticket in der Stadt unterwegs. „Autofahren ist mir viel zu anstrengend“, sagt die heute 71-jährige Ruheständlerin, die von Ruhestand eigentlich gar nichts wissen will. Viel lieber widmet sie sich Themen, für die sie früher keine Zeit hatte: „Orte, die einem vertraut sind, nimmt man wahr, ohne sie wirklich zu sehen. Das ging mir mit der U-Bahn auch so“, schreibt sie in einem Vorwort zu ihrem pünktlich zum 50. Jahrestag erschienenen Buch „Linienführung. Die Kölner U-Bahn-Stationen“. „Lange Zeit benutzte ich sie als Transportmittel, bevor mir irgendwann auffiel, dass es unter den Kölner Haltestellen ungewöhnliche und schöne Orte gibt.“ Namhafte Architekten. Dass im Kölner Untergrund eine Menge archäologische Schätze aus römischer Vorzeit liegen, ist bekannt. Darüber hinaus befindet sich aber eine Vielzahl moderner Kunstwerke unter den Straßen und Fundamenten der Domstadt, die für jedermann zugänglich sind und kostenlos besichtigt werden können. Barbara Schock-Werner: „In keiner Architekturgeschichte Kölns, die mir bekannt ist, kommen die unterirdischen Haltestellen vor. Manche von ihnen haben eigene Einträge im Internet. Dort sind aber immer nur die Linienführung und die Technik dargestellt, kein Wort über ihre Gestaltung oder ihre Entwerfer. Es ist mir deshalb ein Bedürfnis, dies nachzuholen. Auch in den Haltestellen spiegelt sich die Architektur- und Kulturgeschichte der Stadt. An ihrem Entstehen waren viele namhafte Architekten beteiligt.“

Tolle Aufnahmen. Gemeinsam mit Maurice Cox, der hervorragende Aufnahmen von den unterirdischen Stationen in Köln gemacht hat, zeigen die Autorin und der Fotograf Fotos aller unterirdischen Haltestellen der Domstadt, die mitten in der Nacht – also ohne Menschen darauf – entstanden sind. Dazu erläutern Schock-Werner und Cox Geschichte, Kunst und Architektur der Stationen. Für alle, die sich für die Historie und Kultur ihrer Stadt interessieren, ein spannendes Lesevergnügen.


KurzTakt

Blick auf die Historie

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Neue Broschüre

Zum Jubiläum der U-Bahn haben Stadt und KVB eine Broschüre mit dem Titel „Die Kölner U-Bahn: 50 Jahre Mobilitätsgeschichte“ herausgegeben. Das Heft ist eine Koproduktion des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau mit der KVB. In der Broschüre wird die gesamte Historie des U-Bahnbaus beleuchtet. Das Heft ist kostenlos erhältlich in den KVB-KundenCentern und im Bürgerbüro der Stadt Köln am Rathaus.


Historische Fotos

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Die Ausstellung

In der KVB-Zentrale, dem Westforum in der Scheidtweilerstraße, ist bis zum 14. Dezember eine Fotoausstellung zu sehen, die die Geschichte des U-Bahnbaus von den Anfängen bis heute umfasst (9 bis 18 Uhr). Zu sehen sind Bilder der zerstörten Stadt, der vielen Baugruben in der City und von der Einweihung der Linie 17. Die Schau soll 2019 auf Wanderschaft gehen. Wann die Ausstellung wo zu sehen ist, wird rechtzeitig bekannt gegeben. Institutionen, die sie bei sich zeigen möchten, können sich direkt bei der KVB-Pressestelle (Tel. 0221/547-3304) melden.

Echter Hingucker

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Veröffentlichung

Das Buch „Linienführung. Die Kölner U-Bahn- Stationen“ von Prof. Dr. Barbara Schock-Werner (Text) und Maurice Cox (Fotografien) ist erschienen im Greven-Verlag Köln. Es umfasst 192 Seiten inklusive 40 Ausklappseiten mit 195 meist farbigen Abbildungen und kostet gebunden mit Schutzumschlag 35 Euro (ISBN 978-3-7743-0690-5). Zeitgleich erschienen ist eine Vorzugsausgabe mit einem Fine-Art-Pigmentdruck für 400 Euro.


Kunst statt Kacheln

U-Bahn-Stationen sind über ihre eigentliche Funktion hinaus inzwischen wahre Kunsträume.

Chlodwigplatz

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Explosion der Farben: Das Wandgemälde von Katharina Grosse in der 2015 eingeweihten Haltestelle Chlodwigplatz wurde in Sprühtechnik mit einem Druckluftkompressor aufgetragen.

Appellhofplatz

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„Kölner Köpfe“ heißt die Kunstgestaltung in der Haltestelle Appellhofplatz. Sie zeigt Graffiti-Porträts, die von Justus Herrmann, Andreas Paulun und Ralf Jesse angefertigt wurden.

Neumarkt

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Seit 1987 sind am Neumarkt Fotocollagen von Stefan Worring und Wolfgang Zurborn zu sehen. Sie zeigen ein Panorama von Umgebungsdetails und Menschen in unterschiedlichen Situationen.


Rathaus

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Nur wer ganz genau hinschaut kann entschlüsseln, was der Künstler Heimo Zobernig auf dem metallisch glänzenden Aluminiumrelief mitteilt: WANDGESTALTUNGNORDSÜDSTADTBAHNKÖLN

Leyendeckerstraße

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Die Geschichte Ehrenfelds zeigt die Wandmalerei der Künstlerin Ulrike Utaz in der Leyendeckerstraße, die 1992 aufgebracht und 2014 restauriert wurde.
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