Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.
Abmelden

Specials

Anzeigen
ANZEIGE

„Ich empfinde große Dankbarkeit“: Der scheidende KVB-Chef Jürgen Fenske zieht im Interview Bilanz

Jürgen Fenske zeigt sich mit den in den vergangenen zehn Jahren gestiegenen Fahrgastzahlen sehr zufrieden

Nach einem Jahrzehnt als Chef der KVB geht Jürgen Fenske Ende des Jahres in den Ruhestand. Im Gespräch mit der Köln-Takt blickt er zurück – und nach vorn.

Herr Fenske, zehn Jahre an der Spitze der Kölner Verkehrs-Betriebe – was hat aus Ihrer Sicht diese Zeit geprägt?

Jürgen Fenske: Das Unglück vom Waidmarkt am 3. März 2009 – 62 Tage nach meinem Dienstantritt – hat meine Arbeit bis zum heutigen Tage wesentlich geprägt. Ohne Übertreibung ist dieses Unglück das gravierendste Ereignis, das ich in meiner gesamten Berufszeit erlebt habe, und es wird mir immer in Erinnerung bleiben. Gleichzeitig sind die Fahrgastzahlen bei der KVB stetig und deutlich angestiegen. Hatten wir 2008 noch 261,6 Millionen Fahrgäste, so werden es 2018 voraussichtlich mehr als die 280,6 Millionen aus 2017 sein, also eine Steigerung um fast 20 Millionen Fahrgäste. Diesen doch deutlichen Anstieg musste die KVB in ihrem Bestandsnetz schaffen, denn nennenswerte Streckenerweiterungen hat es ja leider nicht gegeben. Und das war schon eine große betriebliche Herausforderung.

KVB-Leihrad, E-Busse, HandyTicket, Verlängerung der Linie 5, teilweise Inbetriebnahme der Nord-Süd-Stadtbahn: Eine ganze Reihe von großen und wegweisenden Projekten sind in Ihrer Amtszeit realisiert worden. Was war Ihnen besonders wichtig?

Fenske: Das ist schwer zu sagen, weil alle Projekte für sich genommen von herausragender Bedeutung sind. Wenn ich mich entscheiden muss, dann ist es doch die Teilinbetriebnahme der Nord-Süd-Stadtbahn, die ja sehr umstritten war. Heute wissen wir: eine richtige Entscheidung.

Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit ist das Stadtarchiv eingestürzt, zwei Menschen starben. Die Wunde ist bis heute nicht verheilt …

Fenske: Nein, leider nicht. Und es wird noch einige Jahre dauern, bis die Nord-Süd Stadtbahn ihren vollen Betrieb aufnehmen kann. Neben den negativen Konsequenzen für den KVB-Betrieb und den städtischen Verkehr ist besonders die Baugrube Waidmarkt, die nun seit Jahren besteht, ein Drama für die Stadt und insbesondere für die Menschen, die in der Südstadt leben. Daher hoffe ich, dass so rasch wie möglich saniert und weitergebaut werden kann, damit die Nord-Süd Stadtbahn ihren vollen Betrieb aufnehmen kann. Und sie wird ein voller Erfolg, da bin ich ganz sicher.

Die Entscheidung zur Ost-West-Achse steht an, die KVB-Busflotte wird langfristig auf E-Busse umgestellt, die Beschaffung neuer Bahnen ist auf den Weg gebracht, die Kundeninformation wird kontinuierlich weiterentwickelt. Ist die KVB für die großen verkehrlichen Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt?

Fenske: Unser Streckennetz in einer wachsenden Stadt muss dringend erweitert werden. Dazu sind Vorarbeiten wie „Köln mobil 2025“ und der ÖPNV-Bedarfsplan gemacht worden, nun muss es zügig an die Umsetzung gehen. Und wir haben mit selten guten Finanzierungsbedingungen gute Voraussetzungen. Als Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen konnte ich ein wenig dazu beitragen, dass die Förderung von kommunalen Schienenprojekten deutlich aufgestockt wurde. Das kommt auch Köln zugute.

Was wird Ihnen fehlen, wenn Sie ab Januar im Ruhestand sind?

Fenske: Die KVB ist ein Unternehmen mit unglaublich viel Herzblut. Man wird selber rasend schnell KVBler. Man freut sich über Erfolge und leidet, wenn einmal nicht alles rund läuft. Es gibt so viele spannende Themen, und die KVB wird und muss wachsen. Die KVB prägt die Stadtentwicklung in besonderer Weise. Daran mitzuwirken, hat schon viel Freude gemacht. Vermissen werde ich die Menschen, die Kolleginnen und Kollegen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da gab es unglaublich viel Einsatz, Leidenschaft und Stolz auf die KVB. Dafür empfinde ich große Dankbarkeit.

Erstmals eine Frau an der Spitze

Stefanie Haaks wird im kommenden Jahr Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrs-Betriebe

Erste Frau an der KVB-Spitze: Stefanie Haaks
Erste Frau an der KVB-Spitze: Stefanie Haaks
Zum ersten Mal wird eine Frau an der Spitze der KVB stehen: Der Aufsichtsrat des Unternehmens wählte jüngst Stefanie Haaks, Mitglied des Vorstandes der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), zur neuen Vorstandsvorsitzenden und damit zur Nachfolgerin von Jürgen Fenske, der Ende des Jahres in Ruhestand geht. „Der Ständige Ausschuss des Aufsichtsrates hatte am Ende die Wahl zwischen zwei qualifizierten Frauen“, so Aufsichtsratsvorsitzender Wilfried Kuckelkorn. „Den Ausschlag für Frau Haaks gab ihr Engagement im Präsidium des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen und im internationalen Verkehrsverband UITP.“

Vorfreude auf Aufgabe. Stefanie Haaks äußerte sich direkt nach ihrer Wahl: „Für das mir entgegengebrachte Vertrauen bedanke ich mich ganz herzlich und freue mich auf die Aufgabe und Herausforderung.“ Wann genau sie in Köln beginnt, steht noch nicht fest. Haaks muss zunächst mit ihrem jetzigen Arbeitgeber klären, wann sie ihren Vertrag in Stuttgart auflösen kann. Der KVB-Aufsichtsrat hat beschlossen, diese Frage flexibel zu handhaben: Stefanie Haaks soll demnach frühestens zum 1. Februar 2019 und spätestens zum 1. April 2019 ihre neue Aufgabe antreten.

Leitende Funktionen. Stefanie Haaks, 1966 in Lübeck geboren, hat nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Steuerberaterin bei verschiedenen Steuerberatungsgesellschaften sowie als selbstständige Steuerberaterin gearbeitet. 2010 wechselte sie als Leiterin der kaufmännischen Abteilung zur Albtal-Verkehrs-Gesellschaft und übernahm ab 2012 zusätzlich leitende Aufgaben bei der KASIG – Karlsruher Schieneninfrastruktur GmbH, der VBK – Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH, der KVV – Karlsruher Verkehrsverbund GmbH und der KVVH – Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen GmbH. Seit April 2015 ist sie Kaufmännischer Vorstand der SSB und verantwortlich unter anderem für die Bereiche Marketing, Vertrieb, Tarif und Einnahmensicherung, Finanzen, Controlling, Einkauf, Logistik und IT-Informationstechnik.

Im Präsidium des VDV. Darüber hinaus ist Haaks unter anderem Mitglied des Präsidiums des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Mitglied des Wirtschaftsausschusses der UITP, des internationalen Verbandes für das öffentliche Verkehrswesen. Stefanie Haaks ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

KurzTakt

Namhafte Spende

Lebenshilfe Köln

KVB-Mitarbeiter haben 5.000 Euro an die Lebenshilfe Köln gespendet. Die Summe kam durch Restcent-Spenden der Kollegen zusammen, die ihren Lohn auf einen vollen Euro-Betrag abrunden lassen. Die Lebenshilfe Köln hält ein großes Angebot für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige bereit. Der 1958 von Tom Mutters gegründete Verein versucht, mit innovativen Ideen die Hilfe bedarfsgerecht und attraktiv zu gestalten. Das 2013 in Sülz eröffnete Café „Wo ist Tom?“ beispielsweise ist gegründet worden, um Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap zu schaffen.

www.lebenshilfekoeln.de

Neue Hotels für Insekten

Der scheidende KVB-Chef Jürgen Fenske zieht im Interview Bilanz Image 1
KlimaPark Köln

Mit einer Spende über 800 Euro unterstützen KVB-Kunden den KlimaPark Köln in Bilderstöckchen. Das Geld kam im September beim Klimastraßenfest auf der Neusser Straße zusammen. Im Netzwerk e. V. wird der Einsatz von Bürgern, Vereinen, Unternehmen und der Stadtverwaltung gebündelt, die Bilderstöckchen klimafreundlicher machen möchten. Ein Engagement ist der KlimaPark, zu dem etwa ein Insektenhotel gehört. Jetzt wird in weitere solcher Gestelle investiert, in denen Bienen, Wespen und Co. Unterschlupf finden.

www.klimapark-koeln.de

Etwas Sonne

Der scheidende KVB-Chef Jürgen Fenske zieht im Interview Bilanz Image 2
Klinikclowns

Über eine Spende von 1.004 Euro freuen sich die Kölner Klinikclowns. Die Summe wurde während des „Tages des offenen Denkmals“ im Straßenbahn-Museum Thielenbruch gesammelt. Die 13 Klinikclowns besuchen in 20 Einrichtungen kranke Menschen, wirken in Altenheimen und Hospizen. Dabei geht es den Künstlern darum, „etwas Sonne“ in den schweren Alltag dieser Patienten zu bringen, Kraft und Optimismus zu schenken. Das Wirken der Clowns ist dabei herausfordernder als ein normaler Auftritt.

www.koelner-klinikclowns.de

zurück zur Übersicht Köln Takt
Datenschutz