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Veh: Davon hängt meine Zukunft beim FC ab: Kölns Sport-Boss: Genau 40 Jahre in der Bundesliga - mit Meistertitel, Verletzungen und schrillen Outfits

Bestens gelaunt: Armin Veh freut sich auf den Bundesliga- Start. Der Sportboss blickt zuversichtlich in die FC-Zukunft.          Foto: Weiser

Köln – Der FC ist zurück in der Bundesliga – ein Terrain, auf dem sich Geschäftsführer Armin Veh (58) bestens auskennt. Vor genau 40 Jahren machte er als Spieler seine ersten Schritte im Profi-Geschäft. Zum Start der neuen Saison empfing Veh den EXPRESS zum großen Bundesliga-Interview. Dabei spricht Kölns Sportchef ausführlich wie noch nie über seine Zukunft beim FC.

Armin Veh, vor 40 Jahren begann Ihre Bundesliga-Karriere als Spieler in Mönchengladbach. Nun sind Sie mit dem FC zurück im Oberhaus. Sind Sie wieder zu Hause?

Das kann man so sagen. Die 2. Liga macht jedenfalls nicht so viel Spaß, das ging mir schon als Trainer so. Deswegen bin ich froh, dass wir unser Ziel erreicht haben und jetzt zurück in der Bundesliga sind. Um 15.30 Uhr zu spielen, gefällt mir auch deutlich besser als zum Mittagessen.

1979 hätten Sie bestimmt nicht gedacht, dass Sie jetzt noch dabei sind – oder wollten Sie schon immer Trainer und Manager werden?

Tatsächlich entwickelte sich mein Interesse am Trainer-Geschäft sehr früh. Ich habe mir schon als Spieler alle Trainingseinheiten aufgeschrieben – alles, was Jupp Heynckes mit uns gemacht hat, habe ich mir wie in der Schule notiert. Das hat sonst kein Spieler gemacht. Wahrscheinlich habe ich zu früh wie ein Trainer gedacht und war deswegen immer verletzt.

Ein Foto zeigt Sie mit Ihrem ehemaligen Mitspieler Christian Hochstätter in einem Mönchengladbacher Krankenhaus…

Das war meine schwerste Verletzung, danach konnte ich keine Bundesliga mehr spielen. In Kaiserslautern war ich ohne Gegner-Einwirkung in ein Loch getreten. Ich habe nach unten geschaut und nur noch meinen Schienbeinschoner gesehen, weil mein Fuß zur Seite weggeknickt war. Da war alles kaputt – Waden- und Schienbeinbruch, alle Bänder gerissen. Und ich war erst 24. Zu Christian Hochstätter gibt es aber eine lustige Geschichte.

Und zwar?

Den hatte ich damals nach Gladbach geholt. Er ist auch Augsburger, und ich hatte ihn dort in der Jugend beobachtet – Christian war ein riesiges Talent. Deshalb habe ich zu Jupp Heynckes gesagt, dass er ihn mal ins Training einladen soll. Und nach einem halben Tag hat Jupp mir gesagt: „Armin, den nehmen wir!“ Dann saßen wir mit Jupp und dem damaligen Manager, Helmut Grashoff, zusammen und ich habe mit Anfang 20 Christians Vertrag ausgehandelt. Das war das erste Mal, dass ich so etwas gemacht habe. Leider ohne Provision, schön blöd (lacht).

Armin Veh im Gespräch mit den EXPRESS-Reportern Martin Zenge, Jürgen Kemper und Marcel Schwamborn (v.l.) Foto: Weiser
Armin Veh im Gespräch mit den EXPRESS-Reportern Martin Zenge, Jürgen Kemper und Marcel Schwamborn (v.l.) Foto: Weiser
Eine Reise durch Ihre Bundesliga-Zeit ist auch eine Reise durch teilweise schrille Outfits…

Meine Klamotten habe ich mir schon immer selbst ausgesucht. Ob das rückblickend schön war – darüber lässt sich streiten. Mit gepunkteten Krawatten wird man mich jetzt nicht mehr sehen (lacht).

War Stuttgart angesichts der Meisterschaft 2007 Ihre schönste Station als Trainer?

Ich hatte viele schöne Stationen. Über den FC werde ich das hoffentlich auch mal sagen.

Kann man das bisher etwa nicht?

Nach dem, was bisher passiert ist, fällt mir das schwer. Auch wenn wir letzte Saison unser Ziel erreicht haben, waren die Begleitumstände nicht so schön.

Anthony Modeste hat gesagt, dass er den Verein bei seiner Rückkehr nicht mehr wiedererkannt hat. Obwohl der Abstieg damals schon monatelang her war und der FC auf Platz eins stand…

Ich möchte mich gar nicht mehr so sehr mit der Vergangenheit beschäftigen, aber klar: Es war keine einfache Saison. Es war wichtig, den Aufstieg zu erreichen, aber dass das viel Freude gemacht hat, kann ich nicht sagen.

Nun scheint sich die Stimmung deutlich gebessert zu haben. Liegt das am neuen Trainer Achim Beierlorzer?

Vom Gefühl her ist die Stimmung besser, das stimmt. Es gibt gar keinen bestimmten Punkt, woran ich das festmachen kann. Achim Beierlorzer ist natürlich jemand, der Euphorie verbreitet, aber ob es alleine am Trainer liegt, weiß ich nicht. Das gesamte Umfeld ist anders gestimmt.

„Fühle mich nicht so alt, dass ich an Rente denke“

Besteht die Gefahr, dass die Erwartungen angesichts der guten Stimmung sogar schon zu hoch sind? Auf den FC wartet ein Hammer-Start!

Ich glaube, dass die Fans aufgrund der Vergangenheit demütiger geworden sind und keine Wundertaten verlangen. Ich kenne die Bundesliga, und wenn ich uns im Vergleich zur Konkurrenz einschätze, bin ich zuversichtlich und gelassen. Wir haben eine gute Mannschaft und ein gutes Trainerteam, das auch Krisen meistern kann. Entscheidend wird nicht sein, dass wir alle Spiele zum Start gewinnen, sondern dass wir Fähigkeit haben, unser Ziel zu erreichen: Wir wollen bis zum Schluss nichts mit den Abstiegsplätzen zu tun haben.

Armin Veh feierte als Trainer 2007 mit dem VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft. Es war der größte Erfolg seiner Karriere. Foto: imago
Armin Veh feierte als Trainer 2007 mit dem VfB Stuttgart die Deutsche Meisterschaft. Es war der größte Erfolg seiner Karriere. Foto: imago
Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Transferphase?

Das zeigt sich immer erst im Saisonverlauf. Wir hatten vor der Saison ganz offen kommuniziert, was wir machen wollen und haben jeden Spieler aus voller Überzeugung verpflichtet. Wir wussten, dass wir uns verbessern müssen – und das haben wir auch getan, da bin ich mir sicher. Und zwar nicht nur kurzfristig – mittelfristig haben wir eine Mannschaft beisammen, die gemeinsam wachsen kann.

Allerdings haben Sie dafür mehr Geld als geplant ausgegeben.

Wir haben nie genau gesagt, was wir ausgeben können. Wir wollten unsere Wunschspieler verpflichten, ohne dafür ein Risiko eingehen zu müssen. Und das sind wir auch nicht. Wir konnten uns diese Transfers leisten.

Hätten Sie im Winter noch Spielraum für Nachbesserungen, falls es nicht wie gewünscht läuft?

Wir sind nicht am Limit. Wir haben immer noch Handlungsspielraum, um etwas zu tun, ohne den Verein in Schieflage zu bringen. Der Verein wird finanziell keine Probleme bekommen, un abhängig vom Tabellenplatz. Die Verträge sind so gestaltet, dass sie auch in der 2. Liga vernünftig funktionieren. Das war schon in der letzten Saison unser Vorteil gegenüber anderen Klubs.

Armin Veh zog sich 1984 eine schwere Verletzung zu, die seine Bundesliga-Karriere beendete. Sein Gladbacher Mitspieler Christian Hochstätter besuchte ihn im Krankenhaus. Foto: imago
Armin Veh zog sich 1984 eine schwere Verletzung zu, die seine Bundesliga-Karriere beendete. Sein Gladbacher Mitspieler Christian Hochstätter besuchte ihn im Krankenhaus. 
Foto: imago
Jannes Horn wechselt nach Hannover. Wie wichtig ist es, weitere Spieler von der Gehaltsliste zu bekommen?

Ich denke, die Initiative sich zu verändern, muss von den Spielern ausgehen, die bei uns nicht so eine große Chance auf Einsatzzeiten haben. Wenn wir etwas realisieren können, machen wir das natürlich gerne. Es gibt weitere Gespräche mit dem ein oder anderen, aber bisher ist nichts konkret.

Nach den Eindrücken aus dem Pokal: Hätten Sie gedacht, dass die Mannschaft vor dem Bundesliga-Start schon weiter ist?

Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass wir ein Stück weiter sind, und souveräner die nächste Runde erreichen. Wir haben allerdings auch eines der schwierigsten Lose erwischt, das man sich vorstellen kann – bei einem Zweitligisten. Am Ende zählt nur das Weiterkommen. Viele Bundesligisten hatten ihre Probleme, weil die Gegner schon weiter waren, schon im Spielrhythmus sind.

Kann so ein emotionaler Sieg mehr helfen als ein 5:0?

Für die Psychologie war dieses Spiel gut. Vor allem für Timo, der beim ersten Tor ziemlich unglücklich aussah. Den Ball darf er nicht so prallen lassen, das weiß er selbst. Dann aber drei Elfmeter zu halten, wenn es drauf ankommt, ist Balsam auf seine Seele, wie er selbst auch gesagt hat. So ein Sieg kann für uns wertvoller sein als ein klarer Durchmarsch.

Gewagtes Outfit: Armin Veh war früher bekannt für schrille Krawatten. Foto: imago
Gewagtes Outfit: Armin Veh war früher bekannt für schrille Krawatten. Foto: imago
Kann der FC die Liga überraschen?

Warum nicht? Ich glaube, wenn wir positiv in die Saison kommen, ist für uns vieles möglich. Am Ende ist aber vor allem wichtig, dass wir drei Mannschaften hinter uns lassen. Wir wollen uns in der Liga etablieren über einen langen Zeitraum–das ist das Entscheidende für den Klub.

Werden Sie diesen Weg über den Sommer 2020 hinaus, wenn Ihr Vertrag endet, mitgehen?

Das wird man zu gegebener Zeit sehen. Es ist so, dass im September Neuwahlen des Vorstands anstehen – das ist nichts Außergewöhnliches. Es ergibt sich aber eine neue Situation für den Klub und für mich. Die drei Kandidaten, die den neuen Vorstand bilden werden, kenne ich bisher nicht gut genug, um mir ein Urteil bilden zu können.

Also machen Sie Ihre Entscheidung vom neuen Vorstand abhängig?

Ich erkläre es mal so: Ich muss Entscheidungen treffen, von denen ich glaube, dass sie richtig für den FC sind. Es macht aber keinen Spaß, ein ständiges Gegeneinander zu haben und permanent gegen Widerstände anzukämpfen. Darauf habe ich auf Dauer keine Lust, denn ich bin ein harmonischer Mensch. Daher ist es sehr wichtig, wie die Leute ticken, mit denen ich zusammenarbeite.

Heißt, die Qualität des Miteinanders ist entscheidend für Ihre Vertragsverlängerung?

Das hat auf jeden Fall einen hohen Stellenwert für mich. Ich muss einfach das Gefühl haben, dass es passt. Das hört sich vielleicht ein wenig romantisch an, ist aber die Wahrheit.

Bislang haben Sie sich noch nicht festgelegt?

Nein, sonst könnte ich auch einfach sagen: „Mein Vertrag läuft aus und das war es für mich“ - aber das tue ich nicht.

Der neue Vorstand betont ebenfalls, dass er das Miteinander beim FC stärken will.

Das muss man dann auch leben.

Unabhängig vom FC: Haben Sie für sich schon festgelegt, wann Sie in Rente gehen wollen?

Mein Beruf macht mir im Normalfall sehr viel Spaß. Ich fühle mich noch nicht so alt, dass ich jetzt schon an die Rente denke. Nur eins steht fest: Den Trainerjob werde ich nicht mehr machen, das will ich nicht mehr.

Haben Sie nach der Entlassung von Markus Anfang keine Sekunde daran gedacht, auf die Bank zurückzukehren?

Der eine oder andere hätte es zwar gerne gesehen, aber für mich war das zu keiner Sekunde ein Thema. Das Kapitel ist abgeschlossen und das ist auch gut so.

Wie viele Gelbe Karten hätte der Trainer Armin Veh in der kommenden Saison wohl bekommen?

(lacht) Das weiß ich nicht. Ich war 27 Jahre Trainer und nur dreimal auf der Tribüne. Das ist nicht so viel. Ich finde das mit den Gelben Karten aber völlig aberwitzig. Sollen die Trainer jetzt Mumien spielen und am besten gar nichts mehr sagen? Wir lieben den Sport und dazu gehören nun mal auch Emotionen. Wenn du unten stehst und verantwortlich bist, fieberst du nun mal mit. Dann sollen sie gleich Roboter an die Linie setzen.

Wie schätzen Sie die Bundesliga insgesamt ein? Muss wieder mal die Hälfte der Klubs um den Klassenerhalt bangen?

Bis auf die Meisterschaft war die Bundesliga in den letzten Jahren immer bis zum Schluss interessant, was den Europapokal und die Abstiegsplätze angeht. Auch dieses Jahr wird der eine oder andere unten reinrutschen, der nicht damit gerechnet hat. Und andersrum. Ich glaube, wir können uns auf eine spannende Saison freuen.

Auch an der Tabellenspitze?

Die Bayern haben mit Dortmund einen ernsthaften Konkurrenten. Der BVB hat angekündigt, dass er Meister werden will, dazu müssen sie jetzt stehen, und ich hoffe, dass sie bis zum Ende durchhalten.

Zumal bei den Bayern nicht alles geklappt hat – vor allem im Ringen um Leroy Sané, der sich in Manchester verletzt hat. Wie schätzen Sie diesen Fall ein?

Im Fall Sané hat Bayern nicht nur Pech gehabt. Das ist für mich sogar eine Unverschämtheit. Als Beispiel: Sebastian Bornauw hat in Anderlecht nicht mehr gespielt, als klar war, dass er zu uns kommen wird. Wenn sich zwei Klubs nahezu einig sind, macht man so etwas einfach nicht.

Auch Beierlorzer hat schon sein FC TOTAL

Neues Magazin ab sofort im Handel

Ex-Lehrer Achim Beierlorzer kehrte für FC TOTAL in den Klassenraum zurück. Foto: Weiser
Ex-Lehrer Achim Beierlorzer kehrte für FC TOTAL in den Klassenraum zurück. Foto: Weiser
Köln – Es ist wieder da! Das neue FC TOTAL-Magazin mit 128 Seiten rund um den 1. FC Köln ist ab sofort im Handel erhältlich. Achim Beierlorzer (51) und Jhon Cordoba (26) haben sich ihre Exemplare schon gesichert.

Cover-Held Jhon Cordoba freut sich über sein FC TOTAL. Der Kolumbianer wird im neuen Heft zum Riesen. Foto: Weiser
Cover-Held Jhon Cordoba freut sich über sein FC TOTAL. Der Kolumbianer wird im neuen Heft zum Riesen. Foto: Weiser
Lesen Sie im Heft unter anderem, wie Ex-Lehrer Beierlorzer für einen Tag ins Klassenzimmer zurückkehrt und Sturm-Tank Cordoba zum Riesen wird. Außerdem: Mit Ellyes Skhiri, Kingsley Ehizibue und Co. hat der FC spannende Spieler für die Bundesliga verpflichtet – die Neuzugänge werden im FC TOTAL wie gewohnt vorgestellt. Alexander Wehrle verrät zudem seine große Sammel-Leidenschaft.

Das Magazin ist für 5,95 Euro am Kiosk und auch weiterhin online im EXPRESS-Shop erhältlich.

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