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„Zu jammern ist nicht meine Art“: Künstler Konradin von Wershofen lebt mit schwerem Schicksal

Von Wershofen ist weiterhin optimistisch. Foto: Clemens

Er sitzt im Rollstuhl, ihm fehlen beide Beine und sein linker Arm. Doch sein Lachen und seine kreative Schaffenskraft hat Konradin von Wershofen nicht verloren. Der Künstler aus dem Rhein-Erft-Kreis nimmt weiter aktiv am Leben teil. Große Pläne hat er außerdem.

Genau 40 Jahre lang hat Konradin von Wershofen gearbeitet. Er war Dozent an den Volkshochschulen in Bergheim, Frechen, Köln und Grevenbroich. Dabei hat er unzähligen Menschen das Gitarrespielen beigebracht sowie als Werk- und Musiklehrer die Kinder der Förderschule „Zum Römerturm“ in Bergheim-Thorr unterrichtet. Genug eigentlich, um sich auf einen entspannten Ruhestand zu freuen, in dem neben der Familie vor allem die Gitarre und die Malerei im Mittelpunkt stehen sollten.

Doch das Schicksal spielte bei diesen Plänen nicht mit: Mit einer schweren Blutvergiftung kam der inzwischen 67-Jährige vor einigen Jahren ins Köln-Merheimer Klinikum. Weil die Sepsis leider schon weit fortgeschritten war, amputierten die Ärzte dort seinen rechten Fuß. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Um sein Leben zu retten, mussten die Mediziner seinen linken Arm und beide Beine ebenfalls amputieren. „Das war ein langanhaltender und tiefer Schock für mich, es ging damals um Leben und Tod“, sagt der Liedermacher heute.

Besonders die Erkenntnis, nie mehr Gitarre spielen zu können, habe ihn damals sehr geschmerzt, erinnert sich von Wershofen, der im Laufe seines Lebens und seiner Arbeit in der Friedensbewegung auch Hannes Wader, Ina Deter und Heinrich Böll kennen gelernt hat. Dennoch dachte er nicht daran, zu resignieren. Dies drückt er deutlich in einem seiner Lieder aus: „Jammern ist nicht meine Art“, singt der Musiker, der in Bedburg-Pütz in einer alten Mühle lebt.

Nicht allein die Liebe seines Sohnes und seiner Frau Martina Detering helfen ihm dabei, sein neues Leben zu meistern. „Zugute kommen mir auch meine revolutionäre Zähigkeit, meine Geduld, Respekt und Humor.“ Schließlich sei er nach wie vor künstlerisch aktiv – wenn auch anders als zuvor. „Ich arbeite als Grafiker, Dichter und Maler“, sagt von Wershofen, der schon wieder Ausstellungen durchgeführt und weitere in Planung hat.

Heute genießt er sein Leben, „auch wenn alles plötzlich viel langsamer geht“. Sein Leben verlaufe nun „entschleunigt, ich habe eine andere Perspektive beim Blick auf meine Umwelt entwickelt.“ Trotz seines Schicksals ist er voller Dank für die Merheimer Ärzte. „Sie haben sich 24 Stunden täglich um mich gekümmert, ohne sie würde ich nicht mehr Leben.“

Von Wershofen war 1979 einer der ersten Totalverweigerer in Deutschland. Damals habe er mehr als 14 Jahre lang Prozesse geführt, diese gewonnen und dabei sieben Verteidigungsminister „verschlissen“. In diesen Jahren kommt ihm seine Einstellung besonders zugute. Von Wershofen: „Ich bin halt mit einem tierischen Optimismus gesegnet.“

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