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Bauarbeiter sind regelmäßig Schadstoffen ausgesetzt. Deshalb werden besondere Vorkehrungen zu ihrem Gesundheitsschutz getroffen.

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Nachhaltigkeit in der Erneuerung Bei Baumaßnahmen an der Infrastruktur müssen ökonomische, soziale und ökologische Kriterien beachtet werden

23.04.2020

Die Schienennetze stehen vor einer großen Erneuerungswelle. Dabei sind die benötigten Gelder bezüglich ihres sinnvollen Einsatzes zu rechtfertigen. Aber diese baubedingten Eingriffe in den Verkehr – mit allen Konsequenzen für die Fahrgäste – müssen ebenso im Gleichgewicht mit einer möglichst langen, störungsarmen Nutzungsdauer der Infrastruktur stehen. Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit im Gleisbau ökonomisch, sozial und ökologisch?

Verkehrswende unterstützen. Die Erneuerung von Schienen, Weichen, Schwellen, Schotter und Unterbau dienen dem sicheren, schnellen und komfortablen Fahrbetrieb. Gleisbau sichert somit Qualität und Quantität des ÖPNV. Richtig gemacht hat Gleisbau aber nachhaltigen Wert. Der liegt zum Beispiel in der Qualität im Bau, im Arbeitsschutz für Bauarbeiter, im dauerhaften Schallschutz für Anwohner. Und es geht um einen attraktiveren ÖPNV, mit dem Fahrgäste gewonnen werden und die Verkehrswende unterstützt werden kann.

Qualität im Bau. Die rechtzeitige Erneuerung vermeidet ständige kurzfristige Störungen durch Fehlfunktionen an Weichen, Schienenbrüche oder Ähnliches. Diese würden durch Fahrgäste nicht akzeptiert werden. Die Verkehrsunternehmen würden sinkende Umsätze und somit wirtschaftliche Schäden erleiden. Dabei darf der Bau aber nicht zu wenig Zeit bekommen, um falsche Kompromisse zu vermeiden. Weniger Fahrgäste und mehr Autoverkehr wären die Folge.


"Es bedarf genug Zeit, um Kompromisse zu vermeiden"


Schutz für die Arbeiter. Die Bauarbeiter sollen etwa vor dem Einatmen von Stäuben geschützt werden, die bei Schotterarbeiten, Schienentrennungen oder Schleifarbeiten entstehen. Schutzmaßnahmen dienen in erster Linie der Gesundheit der Menschen, die nicht nur einmal im Jahr einer solchen Staubbelastung ausgesetzt sind. Gesundheitsschutz führt indes zugleich zu selteneren Ausfällen und weniger Berufsunfähigkeit. Dem Bau bleiben so besonders erfahrene ältere Mitarbeiter erhalten, die für Qualität besonders benötigt werden.

Wichtiger Aspekt. Früher spielte der Schallschutz eine untergeordnete Rolle, heute führen Vibrationen und Quietschen häufig zu Beschwerden. Verbesserte Gleislagen, Einbau von Masse-Feder-Systemen oder Unterschottermatten und kontinuierliche Gleispflege vermindern den Schall. Bei anstehender Erneuerung gleich miterledigt, führt Schallschutz auch zu geringeren Mehrkosten. Fazit: Nachhaltigkeit im Gleisbau rechnet sich so auf verschiedene Weise und darf nicht einfach als Modebegriff verstanden werden.


Umfangreicher Gleisbau auf der Linie 7

In Westhoven wird sich nach nötigen Arbeiten der Fahrkomfort erhöhen

Einer der beiden Bahnübergänge, die im Sommer überholt werden.
Einer der beiden Bahnübergänge, die im Sommer überholt werden.

In den Sommerferien wird eine umfangreiche Erneuerung der Schieneninfrastruktur entlang der Stadtbahn-Linie 7 in Westhoven durchgeführt. Im Streckenabschnitt zwischen den Haltestellen „Westhoven Kölner Straße“ und „Westhoven Berliner Straße“ werden auf etwa 1.000 Metern die Schienen, Schwellen und der Schotter ausgetauscht. Zudem wird der Boden unterhalb des Gleiskörpers erneuert, sodass die Gleise eine bessere Lage bekommen und somit der Bahnbetrieb „glatter“ verlaufen kann. Für die Fahrgäste bedeutet das einen höheren Fahrkomfort.

Kampfmittel beseitigt. Durch die Bodenbearbeitung wird auch der Wasserhaushalt unterhalb der Bahnstrecke verbessert. Regenwasser wird dann besser abgeführt, und Schwebstoffe können durch die Integration von Geotextilmatten bei hohen Grundwasserständen nicht mehr in den Schotter befördert werden. Im Rahmen der Maßnahme wird die KVB überdies zwei Bahnübergänge erneuern. Des Weiteren beseitigen Spezialisten Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg.

Umleitungen sind unumgänglich. Der Umfang der Arbeiten erfordert eine mehrwöchige Trennung der Stadtbahn-Linie 7. Von Sonntag, 5. Juli, bis Sonntag, 9. August, werden die aus Köln kommenden Bahnen nur bis zur Haltestelle „Baumschulenweg“ fahren. Dort können sie in der Poller Schleife wenden. Die aus Zündorf kommenden Bahnen fahren dann nur bis zur Haltestelle „Ensen Gilgaustraße“. Im nicht durch Stadtbahnen bedienten Streckenabschnitt wird ein Ersatzbus-Verkehr eingerichtet. Der individuelle Kfz-Verkehr wird sich gleichfalls aufgrund der Arbeiten an den Bahnübergängen auf Umleitungen einstellen müssen.


Kurztakt

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Infrastruktur

Gleisbauarbeiten abgeschlossen

Die KVB hat das Frühjahr genutzt, um in mehreren Bereichen des Schienennetzes Gleisbauarbeiten durchzuführen. In der Südstadt wurden auf dem Salierring zwei Weichen und eine Gleiskreuzung ausgetauscht. Dort zweigt die Stadtbahn-Trasse der Linie 12 vom Linienweg der 15 und 16 ab. Im Rahmen der Baumaßnahme wurden zusätzlich auf 300 Metern Schienen, Schwellen und Schotter, zwei Fußgängerüberwege und die Asphaltdecke erneuert. Rund 570.000 Euro investierte die KVB in diese Maßnahme (siehe Bild oben). Kurze Zeit später – Anfang April – setzte das Unternehmen die Infrastrukturerneuerung am Barbarossaplatz fort. Etwa 600.000 Euro investierte es in den Austausch von vier Weichen und einer Gleiskreuzung. Mit diesem dritten Abschnitt ist die umfangreiche Bautätigkeit am Barbarossaplatz beendet, die bereits 2019 begonnen hat. Ab Mitte April stand dann die Reparatur einer Weichenanlage im linksrheinischen Vorfeld der Mülheimer Brücke an. Diese Maßnahme konnte kürzlich abgeschlossen werden (siehe Bild unten).
   

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Beeinträchtigungen

KVB bedankt sich bei allen Anwohnern

Mit den oben geschilderten Maßnahmen war die Trennung von Stadtbahn-Linien verbunden. Zwischen drei und sechs Tagen wurden die Linien 12, 15 und 16 in der Südstadt, die 18 am Barbarossaplatz beziehungsweise die 13 und 18 zwischen Slabystraße und Wiener Platz getrennt. Gerade zum Bau an der Mülheimer Brücke musste ein umfangreicher Ersatzbus-Verkehr eingerichtet werden. Bedingt durch das wesentlich geringere Verkehrsaufkommen aufgrund der Corona-Pandemie betraf dies nicht allzu viele Fahrgäste. Beeinträchtigt waren aber auch die Anwohner in den Nachbarschaften der Baustellen. Der Dreischichtbetrieb führte zu nicht vermeidbaren Unannehmlichkeiten wie Lärm, Staub und Verkehrsumleitungen. Gerade die Menschen, die zum Schutz vor einer Verbreitung des Virus viel zu Hause waren, werden dies gespürt haben. Die KVB bedankt sich ausdrücklich bei den Anwohnern für deren Geduld und Verständnis.