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Zeitgenössische Kunst, spannende Stadtgeschichte Ulrike Utaz stellte die Historie des Veedels Ehrenfeld in der Haltestelle „Leyendeckerstraße“ bildlich dar – Dort verlief einst die Stadtgrenze

11.09.2020

Der urbane Raum gehört uns! Nicht dieser Ulrike Utaz“, kritzeln Sprayer 2018 an die Wand der U-Bahn-Station „Leyendeckerstraße“. Auweia! Offenbar haben diese oberschlauen Parolenschmierer irgendetwas nicht richtig begriffen: Kunst im öffentlichen Raum entstammt der Forderung „Kultur für alle!“ Sie soll allen Bürgern die Möglichkeit bieten, kulturelle Angebote wahrzunehmen, und Stadträume verschönern. Jeder kann sich kostenlos an ihr erfreuen und manchmal sogar etwas lernen.

Intensive Recherche. Zum Beispiel in der Haltestelle „Leyendeckerstraße“. Dort hat die Künstlerin Ulrike Utaz mit ihrem Werk in dem 120 Meter langen, 14 Meter breiten und zehn Meter hohen Gewölbetunnel die Historie Ehrenfelds dargestellt. Genau an der Stelle, an der die Station gebaut wurde, verlief ehemals die Kölner Stadtgrenze. Utaz inspirierte diese Gegebenheit: „Zunächst kannte ich mich natürlich nicht aus und musste erst recherchieren“, berichtet die aus der Nähe von Heilbronn stammende Künstlerin. „Die Historikerin Henriette Meynen hatte damals gerade ihre Doktorarbeit über die Entwicklung des Viertels geschrieben. Sie hat mich sehr unterstützt. Basierend auf ihren Informationen habe ich die Gestaltung für die Haltestelle entworfen.“
   

Wohngebäude entstanden. „Ihrefeld“ – wie der Kölner sagt – lag außerhalb der Stadtmauer und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem landwirtschaftlich geprägt. Vom Ehrentor aus führte eine Baumallee durch das Ehrenfeld. Hier befindet sich heute die Venloer Straße. Mit einsetzender Industrialisierung wurde Platz für Gewerbebetriebe und eine wachsende Bevölkerung benötigt. An der Venloer-, der Subbelrather-, der Körner-, der Simrock- und der Stammstraße entstanden ab 1845 Wohnhäuser. Neben einer bereits bestehenden Ziegelei siedelten sich Industriebetriebe an, darunter die Firma Leyendecker (Bleiprodukte), die Waggonfabrik Herbrand, Helios Elektrotechnik, Horch Automobilbau und andere mehr.

Geschichte bewahren. Dies alles stellte Utaz in einfachen, vorwiegend grün-rot-gelben Zeichnungen dar. „In der Mitte der Darstellung befindet sich ein roter Strick, die Stadtgrenze. Die steht für die künstlerische Idee hinter dem Gesamtwerk“, erläutert Ulrike Utaz. „An der Gewölbedecke treffen sich die Baumwipfel der alten Allee mit dem Rauch der Schornsteine. Rote Rechtecke mit den typischen Dreischeibenhäusern darin stellen das schachbrettartig angelegte Straßennetz dar, das Ehrenfeld prägt. Von dort aus ziehen die Arbeiter in die Fabriken. Die Schweinchen, die Kühe, die Schafe und der Hirte mit der Flöte symbolisieren das glückliche Landleben. Der Räuber mit Flinte weist auf das ‚Räuberfeld‘ hin, das in vergangener Zeit ein gefährliches Gebiet war. Neben dem Friedhof, der sich jenseits der Stadtmauer befand, ist auch die Rochuskapelle zu sehen. Zu ihr gingen die Ehrenfelder, als sie selbst noch keine Kirche hatten.“ Utaz Ansinnen: Die Geschichte zu bewahren für alle, die heute in diesem bunten Stadtteil leben. Ein Kunstwerk für die Bürger in „ihrem“ urbanen Raum. 1992 wurde die Haltestelle feierlich eingeweiht. Bei den Ehrenfeldern kam die Gestaltung gut an.
  

Infos sind gefragt

Wer interessante Infos zur „Kunst im Untergrund“ hat, kann diese gerne per E-Mail an die KVB schicken:

gudrun.meyer@kvb.koeln