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Zwei kölsche Generationen: Hohn Henning befürchtet keine „Ballermannisierung“

Schon seit 2015 ist kein Gründungsmitglied mehr dabei, dennoch sind die Höhner nach wie vor sehr erfolgreich. Foto: Andreas Wetzel

Profitieren die jungen Kölner Bands von den alteingesessenen Kollegen? Schätzen sie sich untereinander? Welche neuen Karnevals-Klassiker wurden schon geboren? Ein Doppel-Interview mit den Höhnern und Planschemalöör.

Ohne die Höhner ist der kölsche Karneval kaum vorstellbar. Bereits unglaubliche 48 Jahre sorgt die Band – in welchen der Besetzung – nun schon für Hits. EXPRESS sprach mit Sänger Henning Krautmacher (62).

Henning, hörst Du Musik von kölschen Nachwuchs-Bands?

Es gibt ein Sprichwort, das besagt: „Wer aufhört, etwas zu werden, wird aufhören, etwas zu sein.“ Es wäre eine Form von Überheblichkeit, wenn ich mich nicht für das interessieren würde, was die Nachfolgegenerationen kreieren.

Wurdest du davon inspiriert?

Erfolg zieht logischerweise auch gerne Nachahmer an. Zumindest verursacht er, dass man sich mit den Ursachen dafür beschäftigt. Wenn es dann gelingt, diese Erfahrung authentisch mit sich selbst zu vereinbaren, ist das durchaus legitim.Unser Jobbesteht eben aus zehn Prozent Inspirition und 90 Prozent Transpiration.
  
Henning Krautmacher ist seit 1986 ein Hohn. Foto: Esser
Henning Krautmacher ist seit 1986 ein Hohn. Foto: Esser
Welcher ist für Dich der größte Karnevalshit aller Zeiten, und warum handelt es sich dabei um genau dieses Lied?

Auf jeden Fall kann es für mich keins der Lieder sein, bei denen während des Komponierens „nur“ auf die Karnevalszeit geschielt wurde. „Trullala mer sin fidel un fiere Fastelovend“ – solche Songs werden mein Herz nie erobern. Der Karneval als Spiegel der Zeit, mit all seinen Sorgen, Nöten, Ängsten, aber auch Freuden hat einen ganz anderen Anspruch. Und diese emotionalen Themen, die die Menschen nicht nur in Köln umtreiben, sind das Salz in der wohlschmeckenden Suppe eines Hits. Wenn dann auch noch Text und Melodie „heiraten“ – und jeder kleine Fetz das Lied auf den Lippen hat, jeder Alleinunterhalter den Song live spielt und jeder DJ gebeten wird, den Titel aufzulegen – dann ist es ein Hit. Davon gibt es für mich einige, die aber allesamt eines gemeinsam haben: Sie vereinen die Menschen. Beispiele dafür sind Willy Ostermanns „Heimweh noh Kölle“, „En unserem Veedel“ von den Bläck Fööss und ... ich werde jetzt keinen Höhner-Song nennen (lacht).

Welcher neuere Song hat das Potenzial, diesen Klassikern bald den Rang abzulaufen oder zumindest ähnlich erfolgreich zu werden?

Auch da gibt es nicht nur einen Song, der mir einfällt. Es gibt mehrere Lieder, in denen Text und Musik zu einer Einheit verschmelzen und die das jeweils aktuelle, weitgehend allgemeine Zeitgefühl dokumentieren. Kasallas „Mer sin eins“, wäre für mich ein Aspirant, „Et jit kei Wort“ von Cat Ballou und von Brings hätte ich gleich zwei Titel: „Superjeilezick“ und „Kölsche Jung“. Es mag jetzt verheißungsvoll klingen, aber es ist auch nicht vollends abwegig anzunehmen, dass „Viva Colonia“ ebenfalls das Zeug dazu hat, ein Evergreen zu werden. Und das nicht nur in Deutschland! Es gibt inzwischen Übersetzungen des Textes in acht Sprachen und der Song geht langsam auf die 20 zu.

Welchen neuen kölschen Bands traust Du in den nächsten Jahren den großen Durchbruch zu?

Ich werde so oft gefragt, ob ich mir jemals hätte vorstellen können, eine erfolgreiche Karriere als Musiker im Karneval zu erleben. Meine Antwort ist und war nein – aber es war immer mein Traum! Deshalb glaube ich, dass jeder einzelne Musiker in den jungen kölschen Bands ähnlich denkt und vom Erfolg mit der eigenen Musik träumt. Wenn es gelingt, dann sollte man dankbar sein für dieses Geschenk. Denn Erfolg kommt nicht nur vom „Sein“, im Sinne von „etwas können“, und „Schein“, im Sinne von Glitzer und Glamour auf YouTube – sondern vor allem vom „Schwein“ im Sinne von Glück. Insofern wünsche ich den Youngsters allesamt verdammt viel Schwein. Denn es können nicht alle den großen Durchbruch schaffen. Das Zeug dazu haben aber einige!

Entfernt sich die kölsche Karnevalsmusik zur sehr von ihrer Tradition, Stichwort „Ballermannisierung“?

Klares Nein! Natürlich gibt es Ausreißer. Neue Stilrichtungen werden ausprobiert und der ein oder andere „Ballermann-Hit“ findet sich auch im Kölner Karneval wieder. Zur „Machtübernahme der Ballermänner“ wird es aber nicht kommen. Dafür haben wir doch gerade diese unglaubliche Zahl an nachrückenden Bands, Sängerinnen und Sänger, die extrem gute Livemusiker sind und die das auch unter Beweis stellen. Gute Karnevalsmusik ist ja über die tollen Tage hinaus gesellschaftsfähig. Und Qualität lässt sich bekanntlich nicht verhindern.

Planschemalöör: Von den „Alten“ inspiriert

Planschemalöör gehört zu den Durchstartern der kölschen Musikszene.

Die vier Mitglieder gründeten die Band im April 2018. Foto: zVg
Die vier Mitglieder gründeten die Band im April 2018. Foto: zVg
Die Newcomer haben sich erst im April 2018 gegründet, stehen aber schon vor dem Durchbruch. EXPRESS sprach mit Frontmann Juri Rothen (28).

Juri, hörst du Musik von etablierten Kölsch-Bands?

Ich bin mit kölscher Musik aufgewachsen, habe also sehr viel davon gehört. Aktuell kommt das eher selten vor, am ehesten auf Konzerten anderer Bands, auf einer Party oder bei einem Feierabend-Bier in einer Kneipe.

Wurdest du davon inspiriert?


Auf jeden Fall! Als Kind fand ich vor allem die alten L.S.E.-Sachen toll, und BAP oder die Fööss. Bei meinen Eltern lagen auch immer viele Platten herum. Zudem hat meine Oma sehr authentisches Kölsch gesprochen. Das Ganze hat sich bei uns vermischt, mit anderen, neueren Titeln, die wir hören. Deswegen hat unsere Musik etwas traditionell Kölsches, aber eben auch neue Aspekte von aktuellen Songs.

Welcher ist für dich der größte Karnevalshit aller Zeiten, und warum handelt es sich dabei um genau dieses Lied?

Ich finde in „Superjeilezick“ von Brings steckt alles drin, was ein guter Karnevalssong braucht. Wenn man den Titel hört, fühlt man sich in Gesellschaft einfach gut. Denn man kann dazu nicht nur tanzen, sondern nach einmal hören auch direkt mitsingen. Er nimmt den Hörer mit, ohne stumpf zu sein, genau das ist eben die Kunst.
  
Juri Rothen ist der Frontmann der Formation. Foto: zVg
Juri Rothen ist der Frontmann der Formation. Foto: zVg
Welcher neuere Song hat das Potenzial, diesem Klassiker bald den Rang abzulaufen oder zumindest ähnlich erfolgreich zu werden?

Das ist für mich „Leev Marie“ von den Paveiern. Der Song ist zwar schon relativ bekannt, doch da geht noch mehr. Wenn er gespielt wird, spürt man im ganzen Saal eine besondere Freude. In zehn Jahren wird der Song Kultstatus erreicht haben.

Welchen neuen kölschen Bands traust du in den nächsten Jahren den großen Durchbruch zu?

Miljö ist auf dem besten Weg, bald zu den ganz Großen zu gehören, da sie in den letzten fünf bis sechs Jahren viele Stücke geschrieben haben, die im Karneval sehr gut ankamen. Bei den Newcomern traue ich am ehesten den Jungs von Stadtrand den Durchbruch zu, da Sänger Roman wirklich sehr gut ist und sie schon einige Songs herausgebracht haben, die mir gut gefallen.

Entfernt sich die kölsche Karnevalsmusik zu sehr von ihrer Tradition, Stichwort „Ballermannisierung“?

Die Ballermannisierung ist überhaupt nicht meins, und ich mag diese Lieder nicht. Aber Musik ist eben immer ein Spiegel unserer Gesellschaft. Uns könnten Kritiker ebenfalls vorwerfen, dass unsere Musik nicht traditionell kölsch ist. Doch wir wollen einfach authentisch sein. Wenn ich nun im tiefsten Kölsch meine Ansagen machen würde, dann würde mir das niemand abnehmen. Wenn es nun also eine Nachfrage hin zur Ballermannisierung gibt, dann muss man das meiner Meinung nach akzeptieren, anstatt den Leuten etwas vorzuschreiben. Denn der Karneval in Köln steht nicht umsonst für eine große Vielfalt und eine ganz besondere Offenheit.
  
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